Sechsundzwanzigstes Kapitel. Das Handwerk in der Gegenwart. 583
tensität des landwirtschaftlichen Betriebes erheblich mehr Arbeitals früher beansprucht. Auf diesen beiden Gebieten findet eineAnzahl handwerksmäfsiger Schmiede ihr gutes Auskommen, undscheint auch für die nächste Zukunft die Existenz des Schmiede-handwerks, wenigstens auf dem Lande, von keiner ernstlichen Ge-fahr bedroht. Diesen Eindruck habe ich aus meinen eigenen Be-obachtungen gewonnen, und ich finde die Bestätigung seiner Rich-tigkeit in den vorliegenden Berichten. Alle haben sie — so düsterdas Bild sonst sein mag, das sie von der Lage der Handwerkeentwerfen — ein freundliches Wort für die Schmiederei übrig. Voneinem Berichterstatter (für Nakel U. IV, 24G) wird das Schmiede-handwerk denn auch geradezu bezeichnet als „ein Gegenstück zudem Verwitterungs- und Umbildungsprozefs, wie er in fast allenanderen Handwerken hervortritt“. Gleich günstige Urteile liegenvor für Mefskirch i. B. (U. VIII, 30), Gahlenz (U. V, 18), Eisleben (U. IX, 330), sogar Berlin (U. IV, 323) b
Das Komplementärhandwerk zur Schmiederei ist die Stell-macherei. Schmied und Stellmacher arbeiten sich bei wichtigenVornahmen, vor allem beim Wagen- und Gerätebau, in die Hände.Ihre Werkstätten liegen in allen kleinen Orten dicht bei einander.Und es scheint auch, als ob ihr Schicksal Ähnlichkeit haben sollte.Zunächst sind auch wiederum für die Stellmacherei in gleicherWeise wie für ihr Nachbarhandwerk wichtige Verluste zu registrieren :Die Neuanfertigung landwirtschaftlicher Geräte — namentlich alsoder Pflüge, Eggen, Walzen etc. — verringert sich mit dem Ein-dringen des Eisens, der Wagenbau leidet unter der Konkurrenzder Grofsbetriebe in den Städten, zumal für leichtere Kutschwagenund Schlitten 1 2 ; wo er noch in der Hand des Stellmachers ruht,bringt er weniger Arbeit, seit immer mehr Teile des Wagens —namentlich die Achsen — fertig aus Eisen bezogen werden 3 . Da-für hat der Stellmacher ebenso wie der Schmied mehr zu tliun be-kommen durch die Zunahme der Reparaturen an landwirt-
1 Ungünstig lautet das Urteil für Graz und Umgebung. UOe. 316. Viel-leicht weil hier im Hufbeschlag besonders starke Konkurrenz durch die Huf-beschlagschulen, insbesondere die Militärhuf beschlagschulen gemacht wird:a. a. 0. S. 299.
2 U. V, 16 (Gahlenz); VIII, 30 (Mefskirch); IX, 319/20 (Eisleben ); IX,530 f. (Könitz).
3 Dasselbe gilt für die Arbeit des Schmieds am Wagenbau: vieles vondem, was er früher anfertigen mufste, liefert jetzt die Fabrik: Achsen, Auf-tritte, Laternenhülsen, Federn etc.