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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
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Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus.

der anderen Seite droht ihm die Gefahr, auch diese Thätigkeit ein-zubüfsen, weil eine Tendenz bei Unternehmungen, die eine grofseAnzahl von Pferden beschäftigt, besteht, den Hufbeschlag in eigeneRegie zu übernehmen; das gilt für grofse Güter, namentlich aberfür die grofsen Verkehrsunternehmungen der Städte 1 . Ob sicheine Verringerung des Hufbeschlaggeschäfts überhaupt infolge einesRückganges des Fuhrwerksverkehrs ergeben hat, wie gelegentlichbehauptet wird (U. VIII, 21), wird sich für einzelne Gegendenschwer feststellen lassen. Im ganzen deutschen Reiche ist die Zahlder Pferde bisher stetig gewachsen, freilich längst nicht im Verhältniszur Bevölkerung. Es wurden gezählt 2

Anfang der 1860er Jahre 3193711 Pferde1873 = 33522311883 = 35225451892 = 38362561897 = 4038 4851900 = 4184099

Was die Zukunft bringen wird, wenn sich elektrische Bahnenund Automobile, Feldbahnen und Radfahrerei weiter ausdehneu,ist natürlich noch nicht abzusehen. Denkbar ist es, dafs das Pferdgänzlich auf den Aussterbeetat gesetzt wird 3 . Das würde auchfür die Schmiederei den Todesstofs bedeuten, falls ihr nicht etwawesentlich neue Produktionsgebiete Zuwachsen sollten. Heute stütztsie sich noch zu einem sehr beträchtlichen Teil auf den Hufbeschlag.Das bestätigen übereinstimmend alle Berichte. Aufser im Huf-beschlag beruht dann ihre Hauptthätigkeit in der Reparaturlandwirtschaftlicher Geräte, die mit der Zunahme der In-

1 Konstatiert für Berlin U. IV, 303; Graz UOe. 299.

2 Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich. 1901. S. 20.

3 Dafs der Reitsport bereits ganz erheblich unter der Radlerei leidet,ist eine allgemein wahrnehmbare Thatsache. In Breslau wandelt sich denWinter (1898/99), als diese Zeilen geschrieben werden, die letzte gröfsere Reit-bahn in eine Radfahrschule um. Es ist übrigens denkbar, dafs die Reparatur-arbeit an Fahrrädern und namentlich Motorwagen für den Wegfall des Huf-beschlags teilweise den Landschmieden Ersatz bietet, die dann freilich eineerheblich höhere Stufe technischen Könnens erreicht haben müfsten als heute.In der französischen Provinz, wo heute schon das Automobil das durchausvorherrschende Luxusfahrzeug ist (ich beobachtete im Sommer 1900 auf denLandstrafsen der Calvados in der Normandie, dafs etwa drei Viertel allenLuxusverkehrs mittelst Automobils ausgeübt wurde), spielt die Reparatur anplötzlich marode gewordenen Motoren oder gar verfahrenen Automobilenbereits heute eine grofse Rolle.