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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
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Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus .

wie die Erneuerung eines Bandes, handelt, wird durch die Ge-schäfte nur an die Fabriken vermittelt (U. III, 65/66). Überein-stimmende Urteile haben wir für Leipzig U. VI, 319 f.; Wien UOe.38; Brünn UOe. 470 f. u. a. O.

In kleineren Städten und auf dem Lande soweit nicht dieBauernhutmacherei im Gebiete der Trachten in Frage kommt,die mit diesen steht und fällt 1 hat das Hutmacherhandwerknie eine bedeutende Rolle gespielt. Interessant ist wiederum dieBeobachtung, dafs auch das Handwerk der Hutmacherei eine Zeitlang gefördert und gehalten wird durch seinen Todfeind: denKapitalismus, so lange dieser nur die Anfertigungdes Halbfabrikates(des Stumpen) an sich gezogen hat cf. Schaftfabriken!, umdann aber um so rascher zu versinken, als auch die Herstellung derfertigen Hüte an die Stumpenfabrikation angegliedert wird (vgl.U. VI, 319).

Was aber ist von dem ehrsamen Schneiderhaudwerk aufuns gekommen? Wiederum, glaube ich, dürfen wir getrost sagen:nur Trümmer des alten, stolzen Baues.

Nicht ganz verständlich ist mir der Bericht über die Schneidereiin Erlangen geworden, den Herr Professor Neuburg in eigenerPerson erstattet. Der wissenschaftlichen Richtung des Verfassersentspricht eine gewisse Unbestimmtheit im Urteil. Er fafst seineUntersuchung in dem Ergebnis zusammen,dafs eine entscheidendeAntwort (aus derselben) kaum zu entnehmen ist.Für das Hand-werk Günstiges und Ungünstiges erscheint uns im Wechsel (U. HI,424). Zu vergleichen das vielfach verklausulierte Urteil Seite 428!

Sehen wir von dieser gelehrten Arbeit ab, so stimmen alleübrigen Berichte dahin überein, dafs das alte Schneiderhandwerk,in Stadt und Land gleichmäfsig, seinem raschen Verfall entgegengeht, wo es nicht bereits vollständig vom Erdboden verschwun-den ist.

Obwohl der Historiker des Schneidergewerbes in München 2offenbar keine scharfe Scheidung zwischen altem Handwerksmeister,Inhabern von Mafsgeschäften und der Abhängigkeit mehr oderweniger verfallenen Stückmeistern vornimmt, so bezeichnet er dasSchneiderhandwerk doch alseine Organisation, die teilweise in-folge der Konkurrenz der Grofsbetriebe ihr Dasein nur kümmerlichfortfristet und in stetem Rückgänge begriffen ist; ...in Wirk-

1 Vgl. für das Gebiet der Gutaclier Tracht U. VIII, 134 ff.

2 G. Herzberg, Das Schneidergewerbe in München , 58.