Sechsundzwanzigstes Kapitel. Das Handwerk in der Gegenwart. 597
Geschäfte, die mit den Tüchern handeln, auch das Mafsnehmenund Zuschneiden besorgen“ (U. I, 160).!
Nakel hat — wie schon an anderer Stelle gemeldet wurde —seit zehn Jahren ein feines Mafsgeschäft. Seitdem Dekompositiondes Schneiderhandwerks. Die Schneider haben es selbst mit einemTuchlager versucht und „so ihre alten Kunden zum gröfsten Teilfestgehalten. Der Verdienst ist jedoch sehr zurückgegangen . . .Die übrigen Schneidermeister bewegen sich mehr und mehr derFlickschneiderei zu“ (U. IV, 210).
Löbau (Westpreufsen; 4295 Einw.): „Die gesamte Grundlage
der Löbauer Schneiderei ist . . . seit etwa 15 Jahren ins Wankengekommen; die Kundschaft hat sich erheblich verkleinert und ge-stattet dem einzelnen nur eine kümmerliche Existenz . . Vonaufsen, aus den Grofsstädten kamen die Mächte, die den klein-städtischen Handwerkern die Nahrung raubten, indem sie einenTeil der Kundschaft nach dem andern an sich zogen.“ Vor allemder Reisende des Mafsgeschäfts aus Posen, Danzig u. a. 0. ist es,der „dem einheimischen Handwerk ans Leben gegriffen“ hat! (U.IV, 201.)
Wohlan, so lafst uns auf die Dörfer gehen! Was uns hierentgegentritt, wenn wir die uns vorliegenden Berichte aus mehrerenDörfern in verschiedenen Winkeln des deutschen Reichs mit-einander vergleichen, ist das interessante Bild eines stufen weisenEntwicklungsganges, d. h. also der verschiedenen Etappen des all-mählichen Verfalls unsei’es Handwerks. Am fortgeschrittenstenliegen die Verhältnisse in Gahlen z (Erzgebirge ): Klagen der Schneider-meister über die Zunahme der Konkurrenz, die sie 1. durchBazare und Wanderlager mit Konfektionsware, 2. durch auswärtigeMafsgeschäfte erfahren. Von Kinderanzügen werden a U , dieKinderüberzieher ausnahmslos, von Männeranzügen 1 U fertig ge-kauft. „Die Einkommensverhältnisse dieses Gewerbes sind natürlichziemlich trübe“ (U. V, 48/49).
Etwas rückständiger sind die Verhältnisse in Nöttingen-Darms-bach (Baden): Lohnwerk noch Regel, „selten wählen (die Kunden)selbst nach einer Musterkarte“. Von fünf Schneidern haben je-doch nur zwei regelmäfsige Arbeit; das macht: „das Handwerkhat durch die städtischen Kleidermagazine sehr gelitten, indemsogar Landwirte jetzt ihre besseren Anzüge, namentlich Überzieher,in der Stadt kaufen“ (U. VIII, 64/65).
Ebenso Mefskirch (Baden): „Mitunter Stoffbestellung nach
Musterkarte. Verlust der unteren Klassen, die in Läden kaufen,