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Schneidereien“, in denen sich die alten Handwerksmeister vornehm-lich finden müfsten, fügt jedoch sogleich hinzu (UOe. 510): „Aberauch diese handwerksmäfsige Form hat sich nicht rein als solcheerhalten. Auch hier ist das kaufmännische Element eingedrungen,und je anspruchsvoller der Kundenkreis eines solchen Geschäftsist, um so mehr mufs dessen Besitzer nicht nur Schneider, sondernnamentlich auch Tuchhändler sein.“
In Jena „ist der Erfolg des (Schneiderei-) Betriebes zur Zeitin gröfserem Mafse als bisher durch entsprechenden Kapitalbesitzbedingt... Die Folge davon ist die, dafs, wie von allen Beteiligtenübereinstimmend konstatiert wird, die gröfseren Geschäfte nachZahl und Umfang vor allem zugenommen haben und mehr undmehr in den Vordergrund getreten sind, während ihnen gegenüberden kleinen Meistern trotz Erhöhung der Kundenpreise die Er-haltung ihrer Existenz wesentlich erschwert worden ist“ (U. IX,20/21). 1874 kamen auf 10000 Einwohner in Jena ca. 45 selb-ständige Schneidergeschäfte; 1895 ca. 22.
Die entsprechenden Ziffern für Eisleben lauten: 1790: 180;
1875: 100; 1895: 56 (U. IX, 302). Fast sämtliche Schneidermeisterbefinden sich mehr oder weniger in Abhängigkeit von den Herren-garderobegeschäften. Von den selbständigen Schneidermeisternsind beschäftigt:
4—5 direkt für Privatkundschaft;
10 halb für Privatkundschaft, halb für Geschäfte;
50 als reine Heimarbeiter;
10 als Flickschneider.
„In ihrer grofsen Mehrzahl sind die Eislebener Schneider nichtmehr als selbständige Handwerker zu betrachten“ (a. a. O. S. 304).
Von den 96 Schneidermeistern in Prenzlau „ist im günstig-sten Falle noch der dritte Teil von diesen Geschäften — sc. dendort bestehenden 11 Herrengarderobegeschäften — ganz unab-hängig“ (U. IV, 128). „Die Schneiderei in dieser Art — sc. derhandwerksmäfsigen — hat schwerlich eine Zukunft. Die älterenMeister werden allmählich aussterben, und für die jüngeren Kräftewird der Betrieb des Handwerks in dieser Form nur ein Über-gangsstadium zu dem mehr kaufmännischen Schneidereigeschäft be-deuten“ (ebenda 138).
Den Herrenkleidermachern in Salzwedel ist „seit ein paarJahren durch zwei jüdische Ramschbazare eine erhebliche Kon-kurrenz der Grofsindustrie erwachsen . . Einige früher selbstän-dige Schneidermeister arbeiten jetzt als Hausindustrielle für gröfsere