Sechsundzwanzigstes Kapitel. Das Handwerk in der Gegenwart. (505
man die „Tage der selbständigen Bauglaserei für gezählt“ (U. IX,315), in Leipzig ist „die Zukunft des reinen Handwerksbetriebswenig aussichtsvoll“ (U. V, 198); er hat sich dort nur in gröfseremUmfange erhalten, weil der Grofsbetrieb sich bisher auf die raschvermehrten öffentlichen Bauten beschränkt hat und dem Handwerknicht ins Gehege gekommen ist (ebenda).
In extensiv besiedelten Gebieten genügt ein Glaser für eineAnzahl von Orten; meist existiert er gar nicht, sondern die Tischlerbesorgen das Einsetzen der Scheiben etc.
Die Bautöpfer befassen sich heute fast nur noch mit demOfensetzen und treiben daneben Handel mit Ofen und Ofenteilen.Ihre Existenz wird — von den allgemeinen Konkurrenzmomentenabgesehen — namentlich von folgenden Seiten her bedroht:
1. durch die Ofenfabriken, die ihre eigenen Setzer schicken;
2. durch den Wettbewerb der eisernen Ofen;
3. durch die Einbürgerung moderner Koch- und Heizeinrich-tungen, die nicht „gesetzt“ zu werden brauchen;
4. durch Eingriffe der Maurer in ihr Arbeitsgebiet.
Die Lage der kleinen Ofensetzer ist infolge dieser zahlreichenEingriffe keine günstige; so in Karlsruhe (U. III, 95), Leipzig (VI, 264).
Den Malern und Anstreichern erwächst von aufsenher,wenn ich so sagen darf, keine wesentliche Konkurrenz; nur dieFarbenbereitung konnte ihrem Arbeitsgebiete entrissen werden.Was wir dagegen von der Entwicklung innerhalb des Gewerbesselber vernehmen, läfst den Besitzbestand des Handwerks keines-wegs als gesichert erscheinen: in Berlin, für das der ausführ-lichste Bericht vörliegt, ist der kleine handwerksmäfsige Betriebseit einiger Zeit in starkem Rückgänge begriffen. Immerhin scheintnoch in diesem Gewerbe der alte Betrieb Rückgrat zu haben.Wenn nur wieder das Baugeschäft nicht wäre! Und die Abhängig-keit vom Bauunternehmer! Und die Ausbeutung durch die Bau-spekulanten !
Wenn wir von dieser Stelle aus auf die besprochenen „kleinen“Bauhandwerke zurückblicken, so werden wir unser Urteil über ihreLage, denke ich, etwa wie folgt zusammenfassen können. Sie allesind von irgendwie nennenswerter Bedeutung nur in mittleren undgröfseren Städten. Ihr Arbeitsgebiet wird mehr und mehr auf dieAnbringung fertig bezogener Artikel eingeschränkt, hat aber anderer-seits an Ausdehnung gewonnen durch die Zunahme der Bauthätig-