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Magazine mit der Möbelfabrikation für einen bestimmten kleinenKundenkreis, während der gröfsere Teil in völliger Abhängigkeitvon den Magazinen lebt und für diese beständig dieselben Warenliefert“ (U. IV, 166).
Was wir — wie die citierten Berichte übereinstimmend kon-statieren — für gröfsere Städte als ein fait accompli bezeichnendürfen: die Zersetzung der alten handwerksmäfsigen Möbelschreinereiläfst sich in den kleinen Orten keimhaft, in den Anfängen, abernicht minder deutlich nachweisen.
Ganz eigenartige Erscheinungen weist die Möbelschreinerei inNakel (Netze) auf; hier scheint sie — trotz der Kleinheit desOrtes: 7200 Einw. — schon in voller Ddroute sich zu befinden.Hören wir: „Die Möbelproduktion liegt zum gröfsten Teil nicht inden Händen der Tischlermeister. Es bestehen nämlich am Ortezwei sog. Möbelfabriken, von denen die eine unter Leitung an-gestellter Tapezier- und Tischlermeister betrieben wird, während inder anderen die beiden Meister auf Accord arbeiten. Erstere ge-hört einer Tischlermeisterswitwe, letztere dem Besitzer eines grofsenSchneidergeschäfts (!), die besseren Möbel werden im Holzbau ausBerlin bezogen . . . Dampfbetrieb haben beide Firmen nicht; auchbeschäftigen sie neben den Meistern nur je 3 —4 Leute. Immerhinist ihre Konkurrenz aber für die kleinen Tischler, welche frühernamentlich für das Landvolk Möbel herstellten, sehr fühlbar“ . .(U. IV, 219). Das scheinen also ganz krüppelhafte Verbildungenzu sein, die hier herausgewachsen sind. Offenbar Übergangsformenzu höheren Lebewesen!
Sehr fortgeschritten bereits scheint mir die Entwicklung auchin dem badischen Städtchen Emmendingen (5000 Einw.) zu sein.Zunächst hat sich daselbst eine der sieben Tischlereien zu einemsehr stattlichen Mittelbetriebe ausgewachsen, in dem nicht wenigerals 30 Hilfspersonen, darunter vier Maschinisten beschäftigt werden(U. VIII, 210). Die übrigen Tischlermeister empfinden hart dieKonkurrenz der Magazine: einmal weil immer mehr Emmendingenerihren Möbelbedarf — namentlich an fertigen Einrichtungen — inauswärtigen Magazinen decken, sodann weil am Orte selbst, umdem Geschmaclce des Publikums entgegenzukommen, die Möbel-magazine wie Pilze aus der Erde wachsen: zwei Juden habenTrödel- uud Abzahlungsgeschäfte für Schundmöbel eröffnet, vonzwei Sattlern sind ebenfalls Möbellager eingerichtet, „deren Warendurchweg von auswärts bezogen sind“. Bon gre mal grd haben sichjetzt auch drei unserer Tischlermeister herbeigelassen, selbst Möbel-