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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Sechsundzwanzigstes Kapitel. Das Handwerk in der Gegenwart. (311

lager einzurichten, und da ereignet es sich denn, dafs sie nicht nurihre eigenen, sondern daneben und wie bald nur! bezogenefremde Fabrikate feilbieten (U. VIII, 215).

Im Bauerndorfe Gahlenz arbeiten noch vier Tischler der Regelnach Möbel auf Bestellung. Im Jahre 1894 hat es sich nunzum erstenmal ereignet, dafs für einen jungen Haushalt das Mo-biliar aus der Leubsdorfer Möbelfabrik, die 6 km entfernt liegt,bezogen wurde. Dieser erste Versuch hat nicht recht befriedigt.Aber was thut das? Der Weg ist gewiesen, der zum Verderbenführt! Und dann:ist nun auch die direkte Konkurrenz der Grofs-industrie wenig gefährlich, so wirkt sie doch recht nachdrück-lich auf ein Herabdrücken der Preise hin . . (U. V, 46).

Nach Nöttingen-Darmsbach kommen von auswärts nur Stühleund gebrauchte Sofas. Und doch auch hier dieses unmerklicheEindringen des Zersetzungsstoffes!Vor 20 Jahren war das Ge-schäft einträglicher, weil das Holz wohlfeiler war und jetzt derPreis der Fabrikate durch die Möbellager in den Städten gedrücktwird (U. VIII, 70) h

Halten wir nun an dieser Stelle wieder Rückschau und fragen,was aus dem alten Möbeltischlerhandwerk geworden ist oder innächster Zukunft zu werden verspricht, so dürfte folgendes zu ant-worten sein: Verdrängt ist das Handwerk schon heute aus der Pro-duktion ganz hochwertiger (Kunst-)Möbel und einiger Specialitäten,wie Stühle u. dergl. Es kämpft noch um die fournierten (Berliner)und um die nichtfournierten kienenen Möbel. Für erstere reifstjedoch Berlin in raschem Vordringen auch in immer kleineren Ortendas Monopol völlig an sich. Aber auch die einfachen Möbel sindschon längst kein gesicherter Besitz des Handwerks mehr. Viel-fach werden sie hausindustriell auf Dörfern hergestellt, wo sie abernoch von den städtischen Tischlermeistern geliefert werden, ist ihrVertrieb, soweit es noch nicht geschehen ist, im Begriffe, in dieHände der Magazine zu kommen. Wie lange diese dann dieTischlermeister beauftragen werden, für sie zu arbeiten, hängt vonder Entwicklung der Herstellungstechnik ab, die sehr leicht eine

1 Von dem Verschwinden der Tischlerei in englischen Landstädtchengiebt ein anschauliches Bild wieder P. A. Graham, a. a. 0, p. 38. Auch inEngland scheint sich der Auflösungsprozefs d'es ländlichen und kleinstädti-schen Handwerks doch auch erst im letzten Menschenalter vollendet zu haben,: Ein iandstädtischer Tischlerattributes the falling off mainly to the greater use of iron machinery.

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