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Richtung auf lokalisierte Specialgrofsbetriebe nehmen kann. Ge-blieben sind dem Tischlerhandwerk einstweilen die Reparaturen.
Die übrigen Gerätschaftshandwerke können wir wieder, denkeich, rascher erledigen; ich beginne mit den beiden anderen holz-verarbeitenden Gewerben: Böttcherei und Drechslerei.
Die Böttcherei hat vielleicht mehr als irgend ein anderes Ge-werbe Verluste auf ihrem Produktionsgebiet erlitten durch Verschie-bung des Bedarfs, der entweder ganz weggefallen ist oder in andererWeise — durch Geräte etc. aus anderen Stoffen — befriedigt wird.Im privaten Haushalt sind die hölzernen Milch- und Bierkannendurch Porzellan oder Glas, die hölzernen Badewannen, das hölzerneWaschfafs durch Blech ersetzt, der hölzerne Wassereimer hat ebenfallsdem blechernen weichen müssen, wo er nicht ganz durch die Wasser-leitung verdrängt ist. Letztere hat auch der Feuertonne den Gar-aus gemacht. Im Haushalt sind ferner die Pökel- und Bierfässerentbehrlich geworden. Der Fleischer dagegen pökelt nicht mehrin Holzfässern, sondern in Chamott- oder Cementbehältern ein. Inder Brennerei und Brauerei ist der Holzbottich vielfach durchkupferne und eiserne Gefäfse verdrängt, das hölzerne Kühlschiffist überflüssig geworden. Der Landwirt braucht weniger Trögeund Eimer für das Füttern und Tränken des Viehs, seit die Selbst-tränkeanlage aus Chamotte oder Cement sich einbürgert. Endlichist [das hölzerne Fafs als Verpackungsart zurückgedrängt durchSack, Kiste, Dose, Tanks u. dergl.
Auf dem also eingeschränkten Produktionsgebiet droht nunaber dem Bestände des selbständigen Böttcherhandwerks von zweiSeiten her Gefahr:
1. durch die fabrikmäfsige Fafsproduktion;
2. durch Eingliederung in andere Betriebe: der Kellerküfereiin grofsen Weinhandlungen 1 , der Werkstattböttcherei in Brauereien,Spritfabriken etc. 2 3 .
Die Folge ist, dafs das alte Böttcherhandwerk in Stadt undLand dahinsiecht, wo es nicht schon ganz vom Erdboden ver-schwunden ist. W r as dem Handwerk noch eine Zeit lang wenig-
1 Facliberichte aus dem Gebiet der schweizer. Gew. S. 126; Leipzig
U. II, 47; Karlsruhe III, 133.
3 Leipzig U. II, 47; Wien UOe. 411, 416. Dieser vollständigen Ein-gliederung geht häufig eine Angliederung in der Weise voraus, dafs derMeister in seiner Werkstatt die Arbeit für eine oder einige Fabriken ausführt.