Sechsundzwanzigstes Kapitel. Das Handwerk in der Gegenwart. (j!3
stens bleiben dürfte, sind die Reparaturen 1 . Unsere Berichtestimmen in allen wesentlichen Punkten mit dieser Auffassung über-ein; nur der Leipziger Referent möchte dem Handwerk noch die„Deckung nicht lange vorherzusehenden kaufmännischen Bedarfs“reservieren (U. II, 51).
Um die Stellen nicht unnütz zu häufen, beschränke ich michdarauf, das Resume des Schilderers der Böttcherei in Jena hierwiederzugeben, welches als typisch für die gesamte Böttcherei geltenkann und also lautet: „Bis zur Einführung der Gewerbefreiheit be-stand in Jena eine Böttcherzunft, der 1848, als Jena etwa 6000 Ein-wohner hatte, 7 Meister und 5 Gesellen angehörten. Bei einerEinwohnerzahl von 15 500, die Jena heute hat, sind die Böttcherauf 5 Meister zurückgegangen mit insgesamt 3 Gesellen und einemLehrling. Von diesen 5 Meistern befassen sich 3 fast nur nochmit Reparaturen; sie sind alt und zählen für die Böttcherei kaumnoch mit; ihre gesamte Arbeit würde kaum die Zeit eines kräftigenBöttchers vollständig ausfüllen. Der vierte arbeitet zwar selbständigmit zwei Gesellen, er macht aber vorzugsweise Verpackungsgefäfsefür eine hiesige Seifenfabrik . . ., und so bliebe denn nur einBöttcher übrig, der als eigentlicher Böttchermeister für den Bedarfder Stadt in Frage kommt“ (U. IX, 83). „Das Handwerk ist zumgrofsen Teil zu einer armseligen Flickerarbeit herabgesunken, undes kann nur eine Frage der Zeit sein, dafs die Böttcherei hier alsselbständiger Betrieb aus der Reihe der produzierenden Gewerbeausscheidet“ (a. a. O. S. 88).
Meister Timpe ist tot; das selbständige D r e c h s 1 e r h a n d w e r kist mit ihm dahingeschwunden; wo es noch nominell besteht, istes Reparaturgewerbe oder Detailhandelsgeschäft geworden. Auchhier haben aufser der Konkurrenz der kapitalistischen Unterneh-mung, die sich sowohl des Grofsbetriebs als der Hausindustrie aufdiesem Gebiete bedient, empfindliche Bedarfsverschiebungen demalten Drechsler den Boden unter den Füfsen weggenommen: dasSpinn- und Spulrat in dem Familienhaushalt ist aufser Mode ge-kommen, zahlreiche Specialitäten der Drechslerei sind unbeliebtgeworden und durch Gegenstände aus anderem Material ersetzt.
1 Dafs lokale Eigenarten auch hier diese allgemeine Entwicklungstendenzauf halten können, ist selbstverständlich: wenn z. B. eine Reihe von Böttcher-meistem ihr gutes Auskommen findet bei Anfertigung der Holzkrügel für dasLichtenhainer Bier und dergl. Hier liegt eben ein — Gott sei Dank! — räum-lich sehr begrenzter Specialbedarf vor.