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Dafür hat die Drechslerei einigen Zuwachs erfahren auf dem Ge-biete der Teil- und Halbfabrikate für andere Produktionszweige,wie Möbeltischlerei, Instrumentenbau etc. Doch sind dieses allesArtikel, deren Anfertigung entweder von vornherein in den Haupt-betrieben selber erfolgt ist oder doch sicherlich den Meister nur zueinem abhängigen Lieferanten der Fabrik degradiert hat, dessenLage sich nicht wesentlich von der des Heimarbeiters in derGalanterieindustrie etc. unterscheidet.
Ich lasse eine Auswahl von Quellenbelegen folgen, die sich aufStädte verschiedener Gröfse beziehen:
Leipzig : „Der Untergang des Handwerks ist wohl nur nocheine Frage der Zeit. Kaum, dafs es Aussicht hat, in wenigenReparaturbetrieben sein Dasein kümmerlich weiterzufristen“ (U.U, 93).
Nakel: Der eine Drechsler des Ortes stellt noch 50°/o der
von ihm abgesetzten Ware selbst her. „1870 wurde noch aus-schliefslich eigenes Fabrikat geführt.“ „Das Handwerk ist . . .darauf angewiesen, durch stetige Erweiterung seines kaufmännischenBetriebes den Rückgang der Selbstproduktion auszugleichen“ (U.IV, 221/22).
Salzwedel : „Fast völlig unterlegen sind die Drechsler . . .
von den Söhnen der Drechsler wird keiner sein väterliches Geschäftübernehmen“ (U. I, 162).
Spreewaldstädte: „Das Handwerk ist in völligem Verfall
begriffen; sein Produktionsgebiet ist durch Änderungen in derTechnik und in der Mode eingeengt worden; auf dem verbleiben-den Feld dringt die Fabrik siegreich vor“ (U. VII, 526).
Ebenfalls fast vollständig auf die Gebiete des Reparaturgewerbesund Kleinhandels mit früher selbstverfertigten Waren sehen sichzurückgedrängt die Gerätschafts klempn er ei und die Uhr-macherei. Während das Arbeitsgebiet der Gerätschaftsklempnereierst im letzten Menschenalter eingeengt worden ist, batte die Uhr-macherei schon, wie wir sahen, um die Mitte des vorigen Jahrhundertsdie Neuanfertigung von Uhren so gut wie ganz verloren: die Re-passage ist seitdem ebenfalls noch bedeutungsloser geworden indem Mafse, wie die Uhren besser in den Fabriken hergestelltwerden; die Reparaturthätigkeit ist eingeschränkt durch die Fourni-turenhandlungen.
Der handwerksmäfsigen Buchbinderei ist geblieben dasBüchereinbinden für privaten Kleinbedarf; alle früher selbst er-zeugten Papp- und Galanteriearbeiten werden fertig bezogen. Die