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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Siebenundzwanzigstes Kapitel. Die Handwerker in der Gegenwart. (329

lieh für Schneider und Schuster, die Stellung als Hausmeister(Portier) nebenberuflich in Betracht.

Schliefslich ist dann noch einer Nebenbeschäftigung des Hand-werkers Erwähnung zu thun, die freilich eine wesentlich andereBedeutung als die bisher aufgezählten besitzt. Und das sowohlwegen ihrer allgemeinen Verbreitung als wegen ihres traditionellenCharakters und ihrer historischen Würde, als endlich auch wegender volkswirtschaftlichen Eigenart, die sie begründet. Ich meinedie für alle ländlichen und fast alle landstädtischen Handwerkernoch heute die Regel bildende Verbindung der Landwirt-schaft mit ihrem gewerblichen Berufe. Diese Verbindung isthäufig derart, dafs es schwer fällt, festzustellen, ob der BetreffendeHandwerker oder Landwirt ist. Jedenfalls ist dieser ländliche Ge-werbetreibende gar nicht recht eigentlich zum Handwerker imstädtischen Sinne geworden: die Nabelschnur, die diese an diebäuerliche Eigenwirtschaft knüpft, ist noch nicht zerschnitten.Einige Beispiele mögen das Gesagte bestätigen. So schreiben dieamtlichenErhebungen 1 :Vielfach sind die Landbewohner des

Bezirks sc. Oberamts Göppingen, Württemberg in ihremHandwerk nur den kleinen Teil des Jahres beschäftigt, in derHauptsache aber in der Landwirtschaft. Namentlich wird dies beidenjenigen Landbewohnern der Fall sein, welche die Frage nachder Beschäftigung von Hilfspersonen verneint haben. Gerade beidiesen wird es mitunter auch fraglich sein, ob sie selbständige Ge-werbtreibende sind. Von der Gemeinde Nöttingen - Darmsbachheifst es (U. VIII, 60):Fast sämtliche verheirateten Hand-

werker treiben nebenbei eine kleine Landwirtschaft, weil das Hand-werk allein keine Familie ernährt. Bei einigen ist das HandwerkNebenbeschäftigung.Bei einigen in der unmittelbaren Umgebungvon Könitz ansässigen Gewerbetreibenden läfst es sich schwerfeststellen, ob sie die Tischlerei als Haupt- oder Nebenberuf be-treiben. Sie besitzen ein Stück Land, halten einige Stück Viehund betreiben daneben ihr Gewerbe (U. IV, 167). Und diese.Verbindung zwischen Handwerk und Landwirtschaft wird uns aus-so vielen Landstädten und Dörfern berichtet 2 , dafs wir, unter Zu-hilfenahme der eigenen Anschauungen, nicht zweifeln dürfen, eine

1 Erhebungen über Verhältnisse u. s. w. 1, 20.

2 Vgl. die im Index der U. s. v.Nebenerwerb verzeichueten Fälle.

Aufserdem für die bayrischen Schuhmacher Francke, a. a. 0. S. 84/85. Amts-bezirk Adelsheim : Erhebungen über die Lage des Kleingewerbes in Baden