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Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus.
meister in den Städten viel eher dem Proletariate als dem Hand-werk zurechnen.
So stehen sich innerhalb des alten Handwerks drei Gruppenunterschiedlich gegenüber:
1. die Klein- und Alleinmeister und die Gesellenschaft — demProletariat verfallen;
2. die wenigen kräftigen Existenzen, die sich aus dem Hand-werkerelend heraus zu Unternehmern aufzuschwingen imBegriffe sind — Proselyten der Bourgeoisie;
3. der Rest der noch als Handwerker fühlenden und — fordern-den Meister, die noch zu widerstandsfähig sind, um insProletariat überzugehen, aber nicht kräftig genug, um höherhinaufzukommen.
Sie schmelzen in dem Mafse zusammen, wie das Produktions-gebiet des Handwerks sich verengert, die Verarmung der Hand-werker zunimmt und der Differenzierungsprozefs der Betriebe fort-schreitet. So dafs es nach alledem nicht voreilig geurteilt erscheint,wenn wir sagen: das Handwerk sei im Begriffe, sich als socialeKlasse überhaupt aufzulösen.
Die Richtigkeit dieser Ausführungen kann natürlich nicht ineinem exakten Beweise dargethan werden: die Imponderabilien, diehierbei in Erwähnung zu ziehen sind, lassen sich nicht ziffernmäfsigausdrücken und vieles kann nur deduktiv, freilich für den Ein-sichtigen darum nicht weniger zwingend nachgewiesen werden.Immerhin werde ich noch einige andere Urteile zur Bekräftigungdes meinigen anführen: „Zwischen dem kleinen Meister, heifst esvon den Schuhmachern in Altona und Umgegend, und den Gesellen,deren wirtschaftliche Lage eigentlich eine gleich traurige ist, ent-wickelt sich oftmals ein Gefühl der Solidarität, und im politischenKampfe steht der arme Handwerker häufiger, als man vielleichtwähnt, in den Reihen der Arbeiter. So war der Vertrauensmannder socialdemokratischen Partei in einem Orte ehrsamer Meisterder Schuhmacherinnung; der Obermeister einer anderen Innungbekundete öffentliche Übereinstimmung mit den socialdemokratischenAnseinandersetzungen seines Gesellen, und diese Beispiele liefsensich häufen.“ (U. I, 29.)
„Die Schmiede in Eisleben sind in ihrer grofsen Mehrzahlnicht als selbständige Handwerker zu betrachten. Sie selbst zählensich auch vielfach nicht mehr zu ihnen, halten sich von allenHandwerkerdemonstrationen fern — und fühlen sich mit dem übrigenProletariat solidarisch. Die socialdemokratische Bewegung in Eis-