Achtundzwanzigstes Kapitel. Die moderne kapital. Entwicklung etc. (353
gezeigt. Stellte sich doch heraus, dafs in aufserordentlich vielenFällen die Majorität der „selbständigen“ Angehörigen eines Ge-werbezweiges bereits socialdemokratisch war.
In dem Mafse nun aber, wie der alte handwerksmäfsige Geistaus dem „Handwerk“ selbst verschwindet, bilden sich in derSphäre des gewerblichen Kapitalismus die specifischkapitalistisch-proletarischen Beziehungen immer reineraus, was hier nicht weiter zu verfolgen, sondern nur kurz zuregistrieren ist. Am Ende der frühkapitalistischen Epoche fandenwir auch den Lohnarbeiter und breite Schichten des Unternehmer-tums noch mit den Schlacken vorkapitalistischer Wirtschaftsorgani-sation behaftet. Der Lohnarbeiter war noch halber Geselle oderhalber Landwirt, der Unternehmer noch entweder Händler oderhalber Feudaler oder halber Handwerker. Jetzt ist eine rein prole-tarische Lohnarbeiterklasse entstanden, und auf der anderen Seiteein unser Wirtschaftsleben immer mehr charakterisierendes rein in-dustrielles Grofsunternehmertum, für dessen numerische Stärke dieauf Seite 637 angeführten Betriebsgröfsenziffern einigen Anhalt ge-währen. Auch diese Entwicklungsreihen haben eine Zurückdrängunghandwerksmäfsigen Wesens in unserem Wirtschaftsleben bewirkt.
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Wollen wir aber in wenigen Sätzen das Ergebnis unsererbisherigen Untersuchungen zusammenfassen, so wirdsich etwa folgendes sagen lassen:
Was sich in fünfzig oder hundert Jahren in allen modernenKulturländern im gewerblichen Leben vollzogen hat, ist einegrundstürzende Neuordnung aller Faktoren: eine Neuschöpfungnach den rationalistischen Plänen des kapitalistischen Unternehmers,die ihren prägnantesten Ausdruck in der Gliederung der gewerb-lichen Bevölkerung findet: vor fünfzig Jahren knapp anderthalbMillionen Lohnarbeiter neben zwei Millionen Handwerkern, alsonoch nicht ein Lohnarbeiter neben einem Handwerker; heuteneben einem Handwerker drei .Repräsentanten des gewerblichenKapitalismus . Damals die Sphäre des Kapitalismus noch in denBanden handwerksmäfsiger Formen und Handwerkergeistes, heutedas Handwerk selbst von kapitalistisch-proletarischem Wesen an-gefressen.
Die ökonomische Revolution des gewerblichen Lebens, die vormehr als einem halben Jahrtausend in Westeuropa einsetzt, ist zueinem vorläufigen Abschlufs gelangt: die handwerksmäfsige Pro-