(J54 Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus.
duktionsweise hat aufgehört, dem Wirtschaftsleben ihren Stempelaufzudrücken; kapitalistisches Wesen ist auf der ganzen Linie zurHerrschaft gelangt, ist vor allem für alles Wirtschaften tonangebendgeworden.
Das ist die Signatur der hochkapitalistischen Epoche:der gewerbliche Kapitalismus, nachdem er seine erste Entwicklungs-phase, die nach Jahrhunderten zählt (die frühkapitalistische),hinter sich hat, hört auf, eine accessorische Rolle im Wirtschafts-leben eines Landes zu spielen. Er beginnt, dieses von Grund ausumzugestalten, es völlig nach seinem Bilde neu zu schaffen, inrationalistischer Weise mit seinem Geiste alles ökonomische Wesenzu durchdringen. Der Kapitalismus wird damit zu einer notwen-digen Erscheinung in einem Lande, dessen Signatur er schafft.
In einem Bilde gesprochen: der Kapitalismus bezieht zunächstnur ein oder mehrere Zimmer in dem alten vorkapitalistischenWirtschaftsbau, der lange Zeit noch in seinen Grundmauern un-verändert stehen, auch in der Mehrzahl seiner Räume vorkapita-listisch eingerichtet bleibt; nur die von ihm bewohnten Räume ver-sucht der neue Zimmerherr seinen Bedürfnissen entsprechend aus-zugestalten, ohne dafs es ihm recht gelänge, wie das so in Miets-wohnungen der Fall zu sein pflegt.
Nun beginnt allmählich das alte Gebäude zu zerfallen, seineInsassen vermehren sich, es kann sie nicht mehr beherbergen. Sowird es denn verlassen. Und der inzwischen wohlhabend ge-wordene möblierte Herr von ehedem baut nun nach seinen Plänen,in seinem Geiste ein ganz neues Gebäude auf, das er mit denSeinen bezieht, und in dem er übrigens einige der alten Bewohnerdes alten Gebäudes, die sich in der Mehrzahl den Verhältnissen desneuen Hauses bald anpassen, in einigen Bodenkammern und Keller-räumen noch in ihrer alten Lebensweise weitervegetieren läfst, bisauch sie aussterben und auch die von ihnen bewohnten Räume imStil des ganzen Hauses eingerichtet und von dem neuen Geschlechtbezogen werden.
Aus allem aber, was in den letzten Abschnitten ausgeführtworden ist, was ohne weiteres auch der Augenschein lehrt, gehthervor, dafs die geschilderte Umbildung des Gewerbewesens kein iso-liertes Phänomen ist, sondern dafs die Wandlung zum Kapitalis-mus in dieser einen Sphäre mit einer Umbildung des ganzen Wirt-schaftslebens parallel gegangen ist. Trotzdem haben wir bishernur die eine Seite der kapitalistischen Entwicklung: die Neuord-nung der gewerblichen Produktion, verfolgt und schliefsen trotzdem