Druckschrift 
1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
Seite
657
Einzelbild herunterladen
 

Einige Bemerkungen über Quellen und Untersuchungsmethode etc. (357

Wicklungsbedingungen für die Organisation der gewerblichen Produktion.Dasselbe gilt für die Abzweigung der Berufe, die ebenfalls eine viel zu roheist. Unsere gewifs erstklassige deutsche Berufs- und Gewerbestatistik führtbeispielsweise ununterschiedlich nurGerber auf, während doch die Schick-sale der Weifsgerberei und Lohgerberei ganz verschieden sind, spricht nurvonOfentöpferei, während Ofenfabrikation und Ofensetzerei zwei Gewerbemit toto coelo verschiedenen Entwicklungstendenzen darstellen. Und so intausend anderen Fällen.

Aber noch bedeutsamer ist doch der Übelstand, dafs auch die Art derErmittlung eine viel zu ungenaue, zu wenig eindringende, ich möchtesagen zu äufserliche, ist (und sein mufs), um wirklich alle für den socialenTheoretiker relevanten Thatbestände zu ermitteln. Um für diese Behauptungden Beweis zu erbringen, greife ich zwei besonders in die Augen fallendeUnzulänglichkeiten der statistischen Methode heraus.

1. Speciell die Berufs-, aber auch die Gewerbestatistik vermag uns nurzu belehren über die Berufsangehörigkeit einer Person, allenfalls über ihreAktivität im Berufe, aber niemals über ihre Berufsthätigkeit undderen Umfang. Und an deren Ermittelung ist uns doch wesentlich ge-legen. Denn was sagen uns z. B. für die Beantwortung der Frage, ob aneinem Ort in einem bestimmten Gewerbszweig das Handwerk zurückgegangensei oder nicht, Ziffern, die uns nur die Zahl der Betriebe oder gar nur derBerufsangehörigen nennen, ohnehin zuzufügen, ob und wie viel diese Betriebeoder Berufsangehörigen produzieren. Man ermesse z. B. die gänzliche Be-deutungslosigkeit einer Statistik für unsere Zwecke, die in Eisleben 5Klein-betriebe und 1Grofsbetrieb in der Müllerei zählt, wenn die Verhältnissewie folgt liegen:Die Wassermüller haben wegen Wassermangels die Arbeitso gut wie ganz einstellen müssen, einer lebt . . . von der Bäckerei, derzweite hat einen ziemlich umfangreichen landwirtschaftlichen Betrieb undder dritte hat eine Badeanstalt eingerichtet. Soweit sie noch mahlen, habensie wie die beiden Windmühlen noch etwas Lohnmüllerei (Koggen); haupt-sächlich benutzen sie aber ihre Mahlgänge zum Schroten des Getreides (fürFutterzwecke). Ihre wichtigste Einnahme beziehen die Windmüller ausdem Detailverkauf von fremdem Mehl (U. IX, 299); oder einer Handwerker-statistik des badischen Dorfes Nöttingen-Darmsbach hier wird immer schonangenommen, die allgemeine Statistik sei lokal und beruflich so verfeinert,dafs sie in minutiöse Details einzudringen vermöchte, was, wie schon gerügtwurde, nicht der Fall ist die also laute: es befanden sich am Ort:5 Schneider, 5 Schuster, 1 Metzger, 4 Zimmerleute, 1 Glaser, 4 Tischler,1 Anstreicher, 4 Schmiede, 3 Wagner, 1 Holzdreher, 1 Sattler, 1 Korbmacher,3 Böttcher, 2 Müller, und dann ein Ortskundiger folgende Erläuterungen zudiesen Ziffern giebt: 3 Schneider müssen nach Neujahr und Pfingsten wochen-lang feiern; 10 gelernte Schuster haben ihr Geschäft einstellen müssen, von5 haben nur 2 das ganze Jahr über Beschäftigung; der Metzger leidet unterMangel an Beschäftigung; von den 4 Zimmerleuten haben einer 1520, dieandern 60 Tage, der dritte und vierte je 120130 Tage im Jahre zu thun;das Geschäft des Glasers steht im Winter fast ganz still, von den Tischlernsind 2 kaum die Hälfte des Jahres im Handwerk beschäftigt; der Anstreicherhat nur 8 Monate im Jahre Arbeit; 2 von den Schmieden müssen die Hälftedes Jahres hindurch feiern; von den 3 Wagnern verdient Nr. 1 = 100 Mk.,Sombart, Der moderne Kapitalismus. I. 42