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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
Seite
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Anhang.

No. 2 = 2300 Mk., No. 3 = 5600 Mk im Jahr; der Holzdreher findetnicht genügende Beschäftigung, der Sattler nur während 2 k des Jahres, derKorbmacher ist weggezogen, weil er nicht genügende Beschäftigung fand;die Böttcher sind nur etliche Wochen im Jahr mit der Böttcherei beschäftigtund die Müller haben Vs des Jahres hindurch nur in der Hälfte der Wochezu mahlen. Offenbar: unter solchen Verhältnissen giebt eine Berufs- undBetriebsstatistik nicht nur keinen brauchbaren Aufschlufs, sondern mufs inhöchst verderblichem Mafse irrige Vorstellungen erwecken. Nun ist aber einesolche Nichtausübung des Berufs, wie sie im obigen Beispiel zum Ausdrnckkommt, keineswegs eine vereinzelte Erscheinung, die der Statistiker etwaignorieren dürfte. Vielmehr bildet sie eine konstitutionelle Eigenschaft desHandwerks unserer Tage und bedarf der genauesten Feststellung. Wie dennauch hierher die Erwähnung der Thatsache gehört, dafs heute eine grofseAnzahl von Gewerbetreibenden oft nur Händler sind und vielleicht keinStück, das sie in ihrem Leben verkaufen, selbst angefertigt haben, gleich-wohl aber einen vollen Gewerbebetrieb in der Statistik unter der Rubrik:Hutmacher, Uhrmacher, Schuhmacher, Klempner, Drechsler u. s. w. reprä-sentieren.

Dafs aus dem angeführten Grunde die Konstatierung einer Berufs-angehörigkeit oder auch Thätigkeit ebenso wenig wie über die Verbreitungder betreffenden Produktionsweise über die Lage der betreffenden Gewerbe-treibenden Aufschlufs giebt, mag nur nebenbei erwähnt werden: ich meine,ob einer als Schuster existieren kann und existiert, wenn er Inhaber einesSchuhmachereibetriebes ist, entzieht sich natürlich der Beurteilung.

Reicht demnach die blanke statistische Zahl nicht hin, um, wenn ich sosagen darf, die quantitative Bedeutung eines Gewerbebetriebs zum Aus-druck zu bringen, so noch viel weniger, um Aufschlufs zu geben über seinequalitative Bedeutung, auf deren Erkenntnis aber der sociale Forscher ganzbesondern Wert legt.

2. Die Statistik belehrt uns nicht, ob der betreffende Gewerbetreibendenoch ökonomisch selbständig ist oder bereits in einem irgendwie geartetenA bhängigk ei ts Verhältnis zu einem kapitalistischen Unter-nehmen steht. Das ist wohl der gewichtigste Vorwurf, der gegen dieZiffern der allgemeinen Berufs- und Gewerbestatistik erhoben werden kann.Denn ohne eine solche Belehrung erfahren wir im besten Falle einiges überBetriebsgestaltung, aber nichts über die wirtschaftliche Organisation der ge-werblichen Arbeit, also nichts über die Hauptsache. Hätte nicht bisher eineso bedauerliche Konfusion auf dem Gebiete der Lehre von den Wirtschafts-und Betriebsformen geherrscht, so wäre man wohl schon allgemein zu der Ein-sicht gelangt, dafs eine Betriebsstatistik z. B. der Tischlerei, Schneiderei,Schuhmacherei, also dreier der wichtigsten Gewerbe völlig belanglos ist fürdie Frage, ob sich das Handwerk gegenüber dem Kapitalismus erhalten habeoder nicht. Denn die dort aufgeführtenselbständigen Gewerbetreibendensind keine Handwerker mehr, sondern Rädchen in dem grofsen Uhrwerk derkapitalistischen Verkehrs Wirtschaft. Man denke auch nicht etwa, dafs daszu Haus für fremde Rechnung unserer modernen Berufs- und Gewerbe-zählungen irgend welches nennenswerte Korrektiv biete für die ungeheurenFehlerquellen, die hier sprudeln. Die Mehrzahl der ständig für Magazineoder andere Geschäfte arbeitendenMeister denkt gar nicht daran, sich