Einige Bemerkungen über Quellen und Untersuchungsmethode etc. (>59
unter die Kategorie der Heimarbeiter zu zählen, der sie ja auch strictissimenicht angehört. Ein Beispiel für viele: „Von 15 (Tischler-) Meistern (inFreiburg i. B.) ist sicher, dafs sie für Läden arbeiten und doch hat keiner,aufser . . . 3 . . ., dies bei der Berufs- und Gewerbezählung für 1895 an-gegeben. Es ist auch sehr wahrscheinlich, dafs es noch mehr als diese 15sind. Der Handwerker hält es fast für eine Schande, für Handlungen zu ar-beiten und will das nie zugeben.“ (U. VIII, 247/48.)
Die statistische Methode, dieses ist das Ergebnis, mufs also auf demGebiete entwickelungsgeschichtlicher Wirtschaftsbetrachtungen mehr als bis-her ersetzt oder mindestens ergänzt werden durch die induktiveForschung. Da für diese das Rohmaterial durch Ermittlung „typischerFälle“ erbracht wird, so ist das empirologische Problem hier: wie man zuTypen der ökonomischen Gestaltung oder Entwicklung zu gelangen ver-möge. Dieses Thema kann hier nicht gründlich erörtert sondern nur inseinen Hauptpunkten skizzenhaft behandelt werden. Ich unterscheide vor-nehmlich folgende Verfahren zur Ermittlung von Thatsachen des Wirtschafts-lebens.
1. Die persönliche Anschauung. Sie kann nicht hoch genug inihrem Werte veranschlagt werden und ist für den socialen Theoretiker die-jenige Erkenntnisquelle], auf die er am letzten verzichten kann. Schauen,schauen! Das heifst also: Wanderungen von Fabrik zu Fabrik, von Werk-statt zu Werkstatt, von Magazin zu Magazin. Wer den Namen eines Ge-werbes oder die Bezeichnung eines Produktionsprozesses ausspricht oder nieder-schreibt, ohne mit seinen eigenen zwei Augen die Vorgänge, um die es sichhandelt, geschaut zu haben, nimmt es nicht ernst mit seiner Wissenschaft.Aber — die persönliche Anschauung bleibt doch naturgemäfs auf ein ver-hältnismäfsig kleines Beobachtungsgebiet beschränkt.
Auch wer Jahrzehntelang in allen Winkeln unseres Wirtschaftsgebietesherumkriecht, vermag doch nur eine zu geringe Anzahl von Fällen zu beob-achten, von Personen auszufragen, um darauf allgemeine Urteile aufbauen zudürfen. Dazu kommt, dafs die persönliche Erfahrung bei dem noch nicht zumGreise gediehenen Forscher für weiter zurückliegende Zeiträume versagt.
Da müssen denn zunächst allerhand
2. Surrogate der persönlichen Erfahrung aushelfen. Als solchebetrachte ich: die Befragung kundiger Leute, der bekannten ältesten Männer,sobald es sich um die Vergangenheit handelt. Man kann sich dadurch überdie Ode manches Diners hinweghelfen! Freilich macht man sehr häufig dieErfahrung bei derartigen Privatangaben, dafs selbst intelligente ältere Ge-schäftsleute über die Zeit ihrer Jugend wenig auszusagen wissen. Das hatseine guten Gründe. Als ich unlängst einmal einen der ersten BerlinerBankiers über die Interna des Bankwesens in den 1850er Jahren jauszufragenunternahm, antwortete er mir davon wisse er nur wenig; damals sei er einZwanziger gewesen und habe sich amüsieren wollen: über die Vorgänge inseinem Kontor habe er blutwenig nachgedacht. Aber immerhin geht einemdoch hier und da mal ein grofser Fisch ins Netz. Also: fragen, fragen!
Glücklich müssen wir uns schätzen, wenn einmal ein guter Beobachterungefragt etwa seine Erinnerungen gedruckt ausplaudert. Bücher wie dasvon Bälir über Kassel sind Manna. Hierher gehören nun wohl auchEinzel„berichte“ über Vorgänge des Wirtschaftslebens, die lediglich That-
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