Druckschrift 
1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
Seite
660
Einzelbild herunterladen
 

Anhang.

0(30

saclien feststellen. Ich denke z. B. an die unselige Species der Handels-kammerbcrichte, die soviel nützliche Dinge enthalten könnten, aber freilichnur selten enthalten; am wenigsten Dinge, die uns Theoretiker der wirt-schaftlichen Organisation interessieren. Die Gewerbekammerberichte sind jameist aus gleichem Holze geschnitzt. Und auch von den Berichten derHandwerkskammern verspreche ich mir wenig Erfreuliches. Sie werden zuviel Pectus haben, um unterrichten zu können. Neben den Handels-kammei'- und ähnlichen Berichten von Interessentenvereinigungen sind alsQuellen von nicht zu unterschätzender Bedeutung die Ausstellungsberichte an-zusehen. Sie sind deshalb so wichtig, weil sie uns über einzelne Individuali-täten, Personen, Betriebe etc. oft recht genau unterrichten. Dann abermöchte ich hier noch eine sehr wichtige Quelle namhaft machen, die m. E.bisher nicht die genügende Beachtung gefunden hat; ich meine die Fach-zeitschriften der verschiedenen Branchen, von denen der Leser eine grofseMenge in meinen Ausführungen wird benutzt gefunden haben. Und endlichwäre noch auf die Einzelbemerkung, Einzelbeobachtung, Einzelsentenz in be-liebigem Zusammenhänge als auf eine oft unschätzbare Bereicherungunseres unmittelbaren Wissens von den Menschen und Dingen hinzuweisen.Wo kann man doch alles solche gelegentliche Aufschlüsse bekommen! Ineiner politischen Flugschrift nicht minder als in einer Parlamentsrede, ineinem Shakespeareschen Drama ebenso wie in einem Balzacschen Roman, aufeinem Genrebild so gut wie von einem Festprogramm. Na und so weiter;in Summa: Aufpassen, aufpassen!

Was. der Einzelbeobachtung an Breite fehlt, vermag wohl der öffentlicheVerwaltungsapparat in geeigneten Fällen zu ersetzen. Er liefert uns

3. die amtliche Enquete. Wir können mit wenig Worten sie hiererledigen, nicht weil das ihrer Bedeutung im allgemeinen entspricht, sondernweil sie für die in den letzten Abschnitten dieses Bandes beherrschten Problemeso gut wie nicht vorhanden ist. Für die Vergangenheit versagt sie völlig. Undfür die Gegenwart sind doch immer nur kleine Ausschnitte aus dem Gesamt-ergebnis der gewerblichen Entwicklung enquetemäfsiger Behandlung unter-worfen worden. Immerhin sind die verschiedenen neueren Gewerbeenqueten,die wir aus Frankreich 1 , England 2 , Österreich 3 und Deutschland 4 besitzen,eine höchst willkommene Ergänzung unserer übrigen Quellen. Nun ist aberauch aus inneren Gründen die enquetemäfsige Thatsachenermittlung dochimmerhin eine unvollkommene, insbesondere dort, wo es sich um die Erkenntniseines Werdens, eines Sichwandelns handelt und gar oft, wo alles daraufänkommt, bis in die letzten Fingerspitzen hinein einzelnen Wirtschaftssubjektennachzufühlen, nachzuspüren. Hier kann nur eine einzige Methode Zuverlässig-keit gewähren, das ist

4. die wissenschaftliche Monographie. Diese ist in hervor-

1 Die Publikationen dosOffice du Travail 4 : La petite industrie. Tome I. Lalimen-tution ä Paris. 1893. Tome II. Le Vetement ä Paris . 1896.

2 Die Arbeiten derRoyal Commission on Labour, 1892 ff.

8 Expertise über die Lage des Schuhmachergewerbes. 1892; Gewerbe-Enquete 1893 beide von Abgeordnetenkommissionen veranstaltet; ferner eine private Enquete social-demokratischer Theoretiker und Praktiker unter Vorsitz Dr. Leo Verkaufs über die Lageverschiedener Gewerbe. 1895.

4 Erhebungen über Verhältnisse im Handwerk. Veranstaltet im Sommer 1895. 1895.