Viertes Kapitel.
Der Begriff des Handwerks.
Das Wort „Handwerk“ hat mehr als eine Bedeutung; Grimms Wörterbuch zählt deren drei auf; bei näherem Zusehen entdecktman leicht noch mehr. Ich will die wichtigsten im Folgendennennen, damit sich um so deutlicher der Sinn ergebe, der in dieserDarstellung mit dem Worte verknüpft werden soll.
Handwerk bedeutet
1. „Händewerk, das mit der Hand vollbrachte Werk: opusmanu factum“ (Grimm 1); „überall der Übergang vom Handwerkzum Maschinenwerk“ (Goethe an Schiller [1, 203]);
2. „im engeren Sinne ein dauernd betriebenes Gewerbe,zu dessen Ausführung vorzüglich manuelle Geschicklichkeit erfordertist, ars mechanica, unterschieden von der Kunst und von derniedrigen Handarbeit“ (Grimm 2). Diese Bedeutung wird richtigbelegt u. a. mit G oethe 27, 50 „Verstände der Podestk sein Hand-werk . . .“ Offenbar aber hat das Wort schon einen ganz anderenSinn, wenn es bei Goethe 27, 68 heifst: „dafs ich von der Kunst,von dem Handwerk der Malerei wenig verstehe —“. Hierbedeutet es so viel wie
3. Technik, Inbegriff derj enigen Fertigkeiten, diezur Vollbringung eines Werkes, eines „Händewerks“ erfordertwerden. Diesen Sinn hat das Wort doch auch nur in dem eben-falls bei Grimm 2 citierten Satze aus der Einleitung zu Beckmanns„Technologie“ (1777), wo es heifst: „die Kunst, die rohen oderschon bearbeiteten Naturalien zu verarbeiten, heifst ein Handwerk“.
Aber wer auch diese hier an dritter Stelle genannte Bedeutungdes Wortes „Handwerk“ als eine selbständige nicht wollte geltenlassen, wird doch nicht umhin können, nach einer anderen Seite