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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
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Erstes Kapitel.

Das miifste eine traurige Einleitung werden, wenn wir darinausführliche Rechenschaft uns geben wollten von dem, was übertreibende Kräfte im Wirtschaftsleben bisher schon gesagt und ge-schrieben worden ist. Neben mancher vortrefflichen Bemerkung:welche Fülle von Unklarheiten, von Verfehltheiten, von Lächerlich-keiten ! Was hat doch alles schon die Rolle von treibenden Kräftenspielen sollen! Da marschiert obenandie Anforderung der Zeit,dasallgemeine volkswirtschaftliche Bedürfnis und was dergleichenverschwommenes Zeug mehr ist. Dann lernen wir gelegentlich dieArbeitsteilung oder diepolitische Centralisation oder denVerkehr als treibende Kräfte im Wirtschaftsleben kennen. Oderes werden gar irgendwelche Abstraktionen zu solcher Würde er-hoben. Fand sich doch kürzlich sogar in einer philosophischenFachzeitschrift 1 ein Aufsatz, der die Überschrift trug:Be-

harrung und Veränderung als geschichtliche Kräfte (!). Es mutetEinen sonderbar an.

Solchen Entgleisungen gegenüber bedeutet es einen erheblichenFortschritt, wenn als treibende Kräfte der wirtschaftlichen Entwick-lung genannt werden etwa: die Technik, die Rechtsordnung, dieBevölkerungsbewegung. Das sind, soviel ich sehe, die beliebtestenKategorien, mit denen ernste Forscher arbeiten.

Aber, um es gleich herauszusagen, was dem Leser nachmeinen früheren Bekenntnissen nicht zweifelhaft sein darf : ich kannauch in keiner von ihnen einetreibende Kraft erblicken. Sobedeutsam beispielsweise die Zähmung der Dampfkraft für die Um-bildung unseres Wirtschaftslebens geworden ist, so ist der Dampfdoch immer nur die treibende Kraft in einer Dampfmaschine ge-blieben, ohne die Fähigkeit zu erwerben, diese Dampfmaschine auf-

1 Vierteljahrsschrift für wiss. Philos. 24 (1900), 313 ff.

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