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Einleitung.
zustellen und sie bestimmten Zwecken dienstbar zu machen. Einso wichtiger Faktor bei der Genesis des modernen Kapitalismusdie Bevölkerungsbewegung gewesen ist, so sind doch alle Be-völkerungsüberschüsse der Welt noch nicht hinreichend, um auchnur ein einziges Bankgeschäft aufzumachen: man denke an Chinaund Indien, deren Übervölkerung ohne alle revolutionäre Wirkungverpufft. Und so einschneidend eine Rechtsordnung wirken kann,so müssen wir uns doch klar sein, dafs sie nichts anderes als be-stimmte Normen für menschliches Handeln enthält, über diesesselbst aber nichts entscheidet. Sie ist der Anlage von Wegen, vonRuheplätzen, von Warnungstafeln und Wegweisern in einem Parkezu vergleichen, in dem lebendige Menschen alsdann zu wandernberufen sind.
Wir sollten uns doch endlich daran gewöhnen, nur diese alstreibende Kräfte in allem socialen Geschehen anzusprechen; richtigerihre Zwecksetzungen, ihre Wollungen. Alles andere — Tecknik, Be-völkerungsbewegung, Rechtsordnung — haben wir entweder in dasVerhältnis der Wirkung jener treibenden Kräfte oder in dasjenigeder objektiven Bedingung ihrer Wirksamkeit zu setzen. Mit ihnenwerden wir uns daher dort erst zu beschäftigen haben, wo wir jeneobjektiven Bedingungen abhandeln. Hier gilt es, über die allein inBetracht kommenden treibenden Kräfte der wirtschaftlichen Ent-wicklung — die menschlichen Motivationen — uns einige genauereWissenschaft zu erwerben.
Da ist denn nun zunächst an das Bedürfnis unseres Denkensnach einheitlicher Erklärung zu erinnern. Es kann verwöhnterenNaturen unmöglich genügen, für einzelne disparate Phänomene desWirtschaftslebens eine Reihe von einzelnen, disparaten Ursachensich aufzählen zu lassen. Vielmehr drängt es uns, die Einzel-phänomene in einen inneren Zusammenhang, will sagen in das Ver-hältnis von Ursache und Wirkung einzuordnen und alsdann als dieprimär wirkenden Ursachen bestimmte prävalente Motivreihen auf-zudecken. Das Ideal bleibt, wie ich schon ausgeführt habe, auchhier die Zurückführung auf „letzte“ Ursachen, auf die letzteUrsache, also für sociales Geschehen die primär wirkende Trieb-kraft oder Motivation h Aber wir kennen auch schon die Grenzen,
1 Ich bemerke noch einmal ausdrücklich, dafs dieses Bedürfnis unsererVernunft nach Einheit des Wissens nichts zu thun hat mit einer geistlosenErklärung komplizierter Phänomene aus einer oder wenigen Ursachen. Selbst-verständlich ist jedes einzelne sociale Phänomen tausendfach bedingt. Aberes gilt, in jenes Chaos der Zusammenhänge Ordnung zu bringen. Ich mache