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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
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Einleitung.

Wertes erhöht. Südamerika ging als Markt infolge der dortigen'politischen und finanziellen Wirren mehr und mehr verloren. DieHandelsverträge von 1892 haben wenig gebessert. So blieb demdeutschen Sch uh Produzenten nichts übrig, als nach Kräften imeigenen Lande wiederzugewinnen, was sie in der Fremde eingebüfsthatten.

Treten wir aber auf die andere Seite hinüber: das angegriffeneHandwerk, so treffen natürlich die Beobachtungen in gleicherRichtung mit den obigen zusammen: seit Anfang der 1880er Jahrebeginnt das Schuhwarenmagazin mehr und mehr in der Provinzseinen Einzug zu halten h

Und dieselben Vorgänge in allen Ländern mit ungefähr der-selben Entwicklung. Auch die Wiener Schuhmacherei ist in denersten Jahrzehnten wesentlich Exportgewerbe. 1870 ist der Bedarfdes Auslandes ebenso grofs wie der Wiener. Seit den 1870er Jahrenbeginnt schon der Rückgang. Deutschlands Konkurrenz wirdfühlbar. Mitte der 1880er Jahre, zumal seit Ausbruch des Zoll-kriegs mit Rumänien (1886), wird die Lage kritisch.Der in-ländische Markt wurde überschwemmt, die Preise sanken, esherrschte Arbeitslosigkeit (UOe., 52) 1 2 .

Ähnlich wie die Schuhmacherei hat sich die Entwicklung der inter-lokalen Schneiderei, d. h. also der Konfektionsindustrie,vollzogen. Schauen wir zuerst nach Österreich, das zu den frühestenKämpfern auf dem Weltmarkt in dieser Branche gehört. Hier ent-wickelt sich die Wiener Männerkonfektion seit Mitte der 1840 erJahre als Exportgewerbe, erst seit einem Jahrzehnt später alsInlandskonfektion (UOe., 493). Der Höhepunkt des Exports wurdeEnde der 1870 er Jahre erreicht.Mit den Jahren 1880 und 1881trat ein Rückschlag ein; es vollzog sich ein überaus nachteiligerUmschwung in den Absatzverhältnissen (497). Rufsland, Rumänien ,Griechenland gehen verloren.Mit der Zurückdrängung der Aus-fuhr nach dem Auslande nimmt die Konkurrenz der Konfektionäreim Innern stetig zu. Der ehedem ausgedehnte Export war dieUrsache der Etablierung einer grofsen Anzahl von Firmen. Die-selben wollen begreiflicherweise nicht so leicht der Ungunst derZeit weichen, sondern suchen sich vielmehr zu behaupten. DasKampfterrain ist die österreichische Provinz. Man unterbietet

1 Vgl. z. B. für Jena U. IX, 25.

2 Ebenso lauten die Urteile in derExpertise über die Lage des Schuh-machergewerbes. Vgl. Em. Adler, Uber die Lage des Handwerks in Öster-reich . 1898. S. 10.