Erstes Kapitel. Die treibenden Kräfte.
23
einander im Preise, selbstverständlich nicht ohne dafs gleichzeitigdie Qualität sich verschlechtern würde“ (498).
Das ist aber mit geringen Abweichungen auch das Bild, dasdie Entwicklung der Konfektion in Deutschland darbietet.
Die Abweichungen beziehen sich darauf, dafs die deutsche Kon-fektion etwas später — etwa seit Mitte der 1850 er Jahre — ingröfserem Umfange Exportindustrie wird und ebenfalls etwas später— etwa seit Ende der 1880 er Jahre — den stärksten Rückschlagerleidet 1 . Namentlich war es der Verlust des nordamerikani-schen Marktes, der für Deutschlands Konfektion besonders starkins Gewicht fiel. Erschwerungen der Ausfuhr hatten sich aberbereits seit Anfang der 1880er Jahre, nachdem ein ganz rapiderAufschwung am Ende der 1870er Jahre noch erfolgt war, fühlbargemacht, und seit jener Zeit datiert aucli das raschere Vordringen derkonfektionierten Ware in die Provinz: seit etwa 10 —15 Jahren ist,wie im ersten Bande gezeigt wurde, die handwerksmäfsige Schneidereiin den mittleren und kleineren Städten ins Wanken gekommen.
Aber vielen anderen Gewerben ging es ebenso wie den ge-nannten Bekleidungsindustrien. So hatte die Berliner Tischlereiin den Jahren bis 1875 einen starken Export entwickelt, der schonEnde der 1870 er Jahre eine wesentliche Einbufse erlitt, um in den1880er Jahren noch einmal emporzublühen. Mit dem Ende des9. Jahrzehnts trat jedoch wieder eine verhängnisvolle Wendung ein.Die Ausfuhr nach Südamerika, den Vereinigten Staaten, Rufsland,Schweiz u. a. erfuhr erhebliche Beschränkungen (U. IV, 349. 351).Dasselbe wird von der Posen er Tischlerei berichtet. „Früher vorInaugurierung der Zollpolitik in den in Betracht kommenden Ländernwar der Export von Posener Möbeln nach Amerika über Hamburg, nach Rumänien, besonders aber Rufsland ein nicht unbeträchtlicher.Der Verlust desselben hat die hier aufblühende Möbelindustrie nichtnur in ihrer Entwicklung aufgehalten, sondern auch eine Über-produktion in Erscheinung treten lassen, an deren Folgen das Ge-werbe jetzt noch krankt“ (U. I, 85). Auch für die kapitalistischeTischlerei sind es die 1880er Jahre, von denen an ihr Erscheinenin der Provinz vornehmlich datiert. Selbst eine Stadt wie Köln
1 Vgl. die Darstellung des G. K. E. Mannheimer in den Drucksachender Kommiss, für Arb.Stat. Verhandlungen Nr. 11 (Nachtrag) S. 4 ff. „. . . inder Mitte der 80 er bis Ende der 80 er Jahre hatten sich . . sehr viele neueGeschäfte etabliert, die, als dieses amerikanische Geschäft auf hörte, sichnatürlich auf die Länder warfen, die noch exportfähig waren, respektive aufDeutschland.“