24
Einleitung.
erlebt erst seit 1882 eine stärkere Einfuhr auswärts fabrizierterfournierter Möbel, namentlich aus Berlin und Süddeutschland (U. I, 286).
Und für eine ganze Menge anderer Gewerbezweige liefse sicheine ähnliche Entwicklung wie für die genannten drei Hauptindustriennachweisen. Überall der Hauptvorstofs gegen das Produktionsgebietdes Handwerks seit Anfang oder Mitte der 1880er Jahre und zwarallemal, soweit schon kapitalistische Exportindustrien bestanden,wegen Beschränkung des früheren Absatzgebietes namentlich imAuslande.
Gleichzeitig aber beginnt nun das Kapital immer stürmischerauch in das Produktionsgebiet von Handwerken hineinzugreifen, diees bis dahin fast völlig gemieden hatte. In aufserordentlieh vielenGewerbezweigen setzt der entscheidende Niedergang (wenigstens inDeutschland ) in den 1880er Jahren ein 1 : d. h. in derZeit wachsenderKapitalanlagenot. Wenn daher ein vortrefflicher Kenner des Hand-werks von einigen Karlsruher Gewerben schreibt 2 : „In Wahrheit be-ruhen jene Übergriffe der Fabriken — nämlich in die Sphäre derliandwerksmäfsigen Produktion — eher auf einer Schwäche als aufeiner Überlegenheit“, so ist dem sicherlich insoweit zuzustimmen, alsdamit gesagt sein soll, dafs fast überall die bittere Not das Kapitalzur Vernichtung des Handwerks getrieben hat. Was ihm dannzum Siege verholfen hat, wissen wir freilich noch nicht: das sollendie folgenden Abschnitte erst erweisen. Dort wird zu zeigen sein,aus welchen Gründen das Kapital im Konkurrenzkämpfe obsiegenkonnte, hier war einstweilen nur festzustellen, dafs bezw. weshalbes siegen wollte und mufste.
Die Anlage des Werkes erheischt zur Lösung der nunmein-gestellten Aufgabe zunächst eine Schilderung des Scenenwechsels,der dem Kampfe zwischen Kapitalismus und Handwerk auf derBühne des Wirtschaftslebens voraufgeht; unbildlich gesprochen:einen Nachweis, dafs und durch welche Mittel es dem Kapitalismusgelingt, die Bedingungen der Produktion und des Absatzes so zugestalten, dafs dabei sein Interesse ebenso gefördert wie das desHandwerks geschädigt wird. Dieser Darstellung sind die folgendenbeiden Bücher gewidmet.
1 Vgl. z. B. für die Klempnerei U. I, 138 f., für die Drechslerei U. II, 81,für die Grofszeugschmiederei in Graz und Steiermark UOe., 319.
2 Andreas Voigt in U. III, 176.