Drittes Kapitel. Die neue Technik.
45
Die frühere Zeit war eine vorwiegend hölzerne, animalisch-pflanz-liche, unser Zeitalter ist ein Zeitalter aus Stein, Glas und Eisen: dasist eine der entscheidenden Wandlungen, die die Technik erfahren.
Diese Neugestaltung der Technik findet ihren Ausdruck inbestimmten Eigenarten unserer industriellen Entwicklung; vornehm-lich in dem gewaltigen Aufschwünge, den die chemischen In-dustrien und die Montanindustrie während der letzten fünfzig Jahregenommen haben. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts stakendie chemischen Industrien noch in den Kinderschuhen.Damals war Frankreich in diesem Gewerbezweige das führendeLand. Im Jahre 1850 zählte man daselbst 1 2 547 chemische Fabrikenmit einer Arbeiterschaft von 5947 Köpfen, also dafs etwa 10 Ar-beiter auf jedes Etablissement entfielen. Der Wert der Jahres-produktion wurde auf 56 628000 Frc. geschätzt. Jetzt giebt es inFrankreich 45 700 Enverbsthätige in den chemischen Industrien,darunter 36590 „ouvriers“ 3 : also etwa sechsmal so viel als vorfünfzig Jahren. Aber Frankreich hat längst die führende Stellung anDeutschland abtreten müssen. Und in Deutschland sind nach der1895 er Gewerbezählung in chemischen Fabriken 115 231 Personenbeschäftigt. Diese Zahl ist in beständigem Steigen. Mitte desJahrhunderts geschah dieses Gewerbszweiges in den statistischenÜbersichten häufig gar nicht einmal besondere Erwähnung 8 . 1846wurden in Preufsen 179 chemische Fabriken mit 2207 Arbeiterngezählt; die deutsche Gewerbezählung von 1882 ermittelte 71777in der chemischen Industrie beschäftigte Personen, deren Zahl sichalso in den dreizehn Jahren von 1882 bis 1895 um 61 °/o vergröfserthat. Nach der Produktionsstatistik des Jahres 1897 beläuft sich dieGesamtproduktion der chemischen Industrie in Deutschland auf83112 781 dz im Werte von 947 902 570 Mk. Dafür sind Produktionund Handel von Krapp, Knoppern, Harzen, Waid, Färbehölzern u.dgl.,die um die Mitte des 19. Jahrhunderts noch eine grofse Rollespielten, heute auf ein Minimum reduziert. An Waid, Saflor, Krapp,Aloe, Sumach, Knoppern kamen noch 1846 über die Grenze desZollvereins 188676 Ctr., an Farbhölzern 302046 Ctr. u. s. w. 4 .
Ebenso gewaltig ist während der letzten Menschenalter die Ent-
1 A. Moreau de Jonnös, Statistique de l’industrie de la France(1856), 259/60.
2 Annuaire statistique de la France 15 (1394), 18.
3 Z. B. in Frli. von Redens „Handbuch“: Deutschland und das übrigeEuropa (1854).
4 Vgl. Dieterici, Statistische Übersicht etc. 4. Forts. (1851), 383 ff.