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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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44 Erstes Buch. Die Neubegründung des Wirtschaftslebens.

zuwandeln, bei deren Erzeugung ehedem die organisierte Materieein unentbehrliches Zwischenglied bildete, sodafs man wohl diegesamte moderne Technik als unorganische von der früher organi-schen unterscheiden kann. Mit anderen, dem ökonomischen Interessenoch mehr Rechnung tragenden, Worten: wir stellen eine wachsendeZahl von Gebrauchsgütern her, decken somit einen wachsendenTeil unseres Bedarfs, ohne dafs die betreffenden Gegenstände selbstvorher als Pflanze oder Tier hätten existieren, also mittelbar oderunmittelbar als pflanzliche Erzeugnisse des Bodens hätten zuvorgewonnen werden müssen, was bei den älteren Verfahrungsweisenunvermeidlich gewesen war. Um wenigstens an die wichtigstenhierher gehörigen Beispiele zu erinnern: in wie grofsem Umfangehat allein das Eisenorganisierte Materie, d. h. meistens Er-zeugnisse des Pflanzenreichs verdrängt: das Holz im Schiffs-,Häuser-, Brückenbau, sowie als Material von Werkzeugen und Ge-räten ; die Hanf- oder Flachsfaser als Stoff für Taue und Seile.Und die Herstellung dieses vielleicht revolutionärsten Stoffes dermodernen Technik geschieht ebenfalls im fortschreitenden Mafseohne Inanspruchnahme organisierter Materie, d. h. unter immergeringerer Anwendung von Holz: an die Stelle der Holzkohle-Hochöfen sind die Koksöfen, an die Stelle des Holzkohlefrisch-verfahrens ist das Puddel- oder Bessemer- oder Martin-Siemens-Verfahren getreten, die sämtlich nur der Steinkohle benötigen. Alslleizmittel ersetzt die Steinkohle den Torf, das Holz und die Holz-kohle, als Leuchtmittel ersetzen Petroleum, Gas und ElektricitätFett, Unschlitt, Holzspäne, Öl. Die alten tierischen und pflanz-lichen Färbemittel: Purpur, Cochenille, Krapp, Waid, Indigo, Saflor,Scharte, Farbhölzer werden verdrängt durch die Anilin-, Naphtalin-und andere Kohlenderivatfarben. Die neuere Chemie weifs nunauch ein Nahrungsmittel nach dem anderen aus unorganisierterMaterie zusammenzubrauen. Sie will die Geschmacksempfindung derSüfse auch ohne Hilfe von Zuckerrohr oder Rübe erzeugen; siewill uns jetzt berauschen, ohne vorher die zucker- oder stärkehaltigePflanze dem Gärungsprozefs unterworfen zu haben * 1 .

sogen, organischen oder anorganischen Substanzen zugehören kann. LetztereUnterscheidung verliert in der neueren Chemie immer mehr an Bedeutung,jedenfalls vermag sie keine irgend wie feste Grenzlinie zu ziehen, wie es mitder im Text getroffenen Unterscheidung thatsächlicli der Fall ist.

1 Über die Herstellung von Alkohol aus dem Nebenprodukt derIvokesgewinnung, dem Äthylen vgl.Chemische Industrie 1897 S. 266 und1898 S. 27.