Drittes Kapitel. Die neue Technik.
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cles Wassers einfach zu profitieren, ohne etwas über es zu ver-mögen, so lernen wir immer mehr, die natürlichen Vorgängewenigstens in Mafs und Richtung zu beeinflussen, bis wir dazugelangen, sie willkürlich zu veranlassen.
Und das alles, so läfst sich zusammenfassend sagen, läuft daraufhinaus: unsere Gebundenheit an die Natur zu mindern, uns freierzu machen von Zufälligkeiten und Widerwärtigkeiten. Es ist nütz-lich, sich diese Entwicklung zur Freiheit in ihren einzelnenEtappen zu vergegenwärtigen.
Unsere Gebundenheit verringert sich, soweit es eine Gebunden-heit an den Ort ist: die Nutzbarmachung beispielsweise der mitDampf und Elektricität gefesselten Naturkräfte hat ihre grofse Be-deutung vor allem auch in der damit verknüpften Befreiung vonder Gebundenheit an bestimmte Orte der Produktion: den Wasser-lauf, die freie Ebene, den windigen Hügel, die Windstrafsen aufdem Meere etc. Es wird erst durch Dampf und Elektricität eineUbiquität der produzierenden Thätigkeit erzeugt. Und wie hier-durch gleichsam in quantitativer Hinsicht eine Befreiung vom festenStandort hervorgerufen wird, so häufig ähnlich in Hinsicht auf dieQualität der Erzeugnisse: Holz, Honig, Wachs u. dergl. Dinge sindlokalen Wechseln in ihrer Beschaffenheit ausgesetzt; Eisen, Zucker,Stearin können überall in gleicher Qualität nachgeschaffen werden.
Aber von noch viel entscheidenderer Wichtigkeit ist die Eman-cipation von der für die Erreichung produktiver Zwecke erforder-lichen Zeitdauer. Hier ist, wie noch zu zeigen sein wird, inneuer Zeit Gewaltiges geleistet worden. Und ebenso wie von derProduktions- und Transportdauer technisches Können fortschreitendemancipiert, so gleichermafsen von der zufälligen Gelegentlichkeitder Produktionsmöglichkeit: die beliebige Jederzeitigkeit und wasdasselbe ist Ununterbrochenheit der Verrichtungen wird mit derNutzung der mechanischen Kraft, mit der Einführung künstlicherKühlung, künstlicher Bleiche erst zur Thatsache.
Was aber vor allem emancipatorisch so gut in räumlicher alsin zeitlicher Hinsicht wirkt, ist ein bedeutsamer Vorgang, der sichganz im stillen in unserer Zeit vollzieht und dessen Tragweiteheute noch gar nicht abzusehen ist. Ich meine das, was man denVerzicht auf den Organisierungsprozefs der Natur bei unserer ge-werblichen Thätigkeit nennen könnte. Wir lernen mehr und mehrunorganisierte 1 Materie zu Gebrauchsgütern zu nützen oder um-
1 Dieses ist der auch vom Chemiker anerkannte, wohl dauernde Gegen-satz : „organisierte“ und „nicht organisierte“ Materie, die dann beliebig den