Drittes Kapitel. Die neue Technik.
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Aber mit diesen Worten eröffnet Reuleaux in einer anderenRichtung unserer Betrachtung eine neue Perspektive: in ihnen wirddas Rotationsprincip — und mit Recht — vor allem für ein Gebilde,eine Form des Arbeitsmittels in Anspruch genommen, „welcheswir Maschine nennen“.
Es ist bekannt, wie hoch man die Bedeutung der Maschinefür die Technik gerade der neueren Zeit bewertet hat. Man beliebtunser Zeitalter geradezu als Maschinenzeitalter anzusprechen undeinen grofsen Teil der ökonomischen Revolution, deren Zeuge wirsind, auf die Entwicklung zurückzuführen, die das Maschinenwesenin den letzten 150 Jahren erfahren hat. Diese hohe Einschätzungdes Maschinenprincips nötigt mich, die Frage nach dem Wesen, derspecifischen Funktion und dem Entwicklungsgänge der Maschinezu stellen 1 .
Ich beginne mit der starken Betonung der Thatsache: dafs das„Wesen“ der Maschine selbstverständlich ein völlig verschiedenesist, jenachdem man sie unter kinematischem oder ökonomischemGesichtspunkte betrachtet. Ihre kinematische Wesenheit hat Reuleaux wie folgt bestimmt:
„Eine Maschine ist eine Verbindung widerstandsfähiger Körper,welche so eingerichtet ist, dafs mittels ihrer mechanische Natur-kräfte genötigt werden können, unter bestimmten Bewegungen zuwirken 2 .“ Und etwas genauer die „Einrichtung“, auf die es an-kommt, kennzeichnend: „Der Mechanismus ist eine geschlossenekinematische Kette; die kinematische Kette ist zusammengesetztoder einfach und besteht aus kinematischen Elementenpaaren; diesetragen die Umhüllungsformen zu den Bewegungen an sich, welchedie einander berührenden Körper gegenseitig haben müssen, damitalle anderen Bewegungen als die gewünschten aus dem Mechanismusausgeschlossen bleiben. Ein Mechanismus kommt in Bewegung,wenn auf eines seiner beweglichen Glieder eine mechanische Kraft,welche die Lage derselben zu ändern imstande ist, einwirkt. DieKraft verrichtet dabei eine mechanische Arbeit, welche unter be-stimmten Bewegungen vor sich geht; das Ganze ist dann eineMaschine 3 .“ In einem populären Vortrage hat Reuleaux dann seinenGedanken diese Prägung gegeben: „Das allgemeine Princip . . .der Maschine ist die Bewegungserzwingung. Mit der Maschine
1 Weiteres siehe in meiner Gewerblichen Arbeit, 30 ff.
2 F. Reuleaux, Theor. Kinem., 38.
3 Ebenda S. 53/54. Vgl. dazu S. 490. 492 ff.
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