50 Erstes Buch. Die Neubegründung des Wirtschaftslebens.
will man zunächst Körpern Bewegung erteilt wissen; diese Be-wegung soll dann aber nach einem bestimmten Plane vor sichgehen, es sollen gewisse Wege unter gewissen Geschwindigkeitenund in gewisser Folge durchlaufen werden, wie es eben dem zuerreichenden Zwecke entspricht 1 2 .“
In ökonomischer Betrachtung ist die Maschine ein Arbeits-mittel oder ein Komplex von solchen, welches derart eingerichtetist, dafs es eine Arbeit, die sonst der Mensch verrichten müfste, anStelle des Menschen ausführt, ein Arbeitsmittel also, welches nichtwie das Werkzeug menschliche Arbeit unterstützt, sondern mensch-liche Arbeit ersetzt. Ist nach Reuleaux das allgemeine (kinematische)Princip der Maschine die Bewegungserzwingung, so ist ebenso sehrdas allgemeine (ökonomische) Princip der Maschine die Arbeits-ersetzung.
Die specifische Eigenart der Maschine ersehen wir aber erstrecht deutlich, wenn wir uns ihren Entwicklungsgang in seinenGrundzügen vergegenwärtigen. Dieser verläuft in der Weise, dafssich in einer bemerkenswerten Parallelität das kinematische undökonomische Princip der Maschine zur Geltung durchringen. DieVollständigkeit aber, in der sich die endgültige Durchsetzung dieserPrincipien ereignet, bildet recht eigentlich die Wesenheit der mo-dernen Zeit, sodafs wir den Schlüssel für deren Vex-ständnis nur ineiner Betrachtung dieses Entwicklungsganges des Maschinenprincipszu finden vermögen.
Dabei macht es keinen Wesensunterschied, welchem Zweckedie Maschine dient — wir teilen die Maschinen in Kraft- undArbeitsmaschinen, je nachdem durch die Maschine eine Kraft-äufserung oder eine Arbeitsleistung im engeren Sinne erzielt wird,und letztere wiederum in ortsverändernde oder transportierende undformveräixdernde oder transformierende z , — vielmehr läfst sich füralle Kategorien folgendes sagen:
Unter kinematischem Gesichtspunkt wird die Entwicklung derMaschine zu höheren Foi'men charakterisiert durch den allmäh-lichen Übergang vom Kraftschlufs zum Paarschlufs, d. h. von derSchliefsung von Eiern entenpaaren durch sensible Kräfte zu einerSchliefsung durch latente Kräfte, d. h. solcher Ki’äfte, die in denein Elementenpaar zu zwangsweiser Bewegung bringenden Körpern ge-
1 F. Reuleaux, Über den Einflufs der Maschine auf den Gewerbebetrieb.Vortrag, geh. in der Museumsgesellschaft in Frankfurt a. M., abgedr. in Nordund Süd (1879), 113/114.
2 Vgl. dazu Reuleaux, Theor. Kin. 1, 479 ff.