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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
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Drittes Kapitel. Die neue Technik.

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bunden sindb Das Entwicklungsprincip ist danach zunehmendeErzwingung der Bewegung in gewollter Richtung. Dem un-gebändigten Walten der Naturkräfte, welche in schrankenloserFreiheit auf einander prallen, um im Kampfe aller gegen alle dasunbekannte Erzeugnis der Notwendigkeit hervorzubringen, stehtgegenüber die durch Beschränkung auf ein einziges und beab-sichtigtes Ziel gelenkte Kräftewirkung in der Maschine. Je sichererund exakter also der gewünschte Erfolg erzielt wird, desto voll-kommener ist die Maschine in kinematischer Hinsicht entwickelt.Nun stellt aber auch die Mitwirkung der menschlichen Hand beider von der Maschine zu bewältigenden Aufgabe immer noch einMoment der Unsicherheit, einen Kraftschlufs dar. Das Strebennach kinematischer Vollendung deckt sich also mit dem Bemühen,den Anteil der menschlichen Thätigkeit zu verringern. Je voll-kommener also das Princip des Bewegungszwanges verwirklichtwird, desto vollkommener wird auch dem Princip der Arbeits-ersetzung Geltung verschafft 1 2 3 .

In dieser Arbeitsersetzung offenbart sich nun aber nicht nurdas innerste Wesen der Maschine: es liegt in ihr auch die Be-deutung eingeschlossen, die dem Eindringen der Maschine in den

Arbeitsprozefs für die gesamte materielle Kultur beigelegt werden

1 Näheres darüber siehe bei Reuleaux a. a. 0., namentlich im IV. Ka-pitel, und vgl. ebenda S. 161 ff., 227 ff. und passim.

2 Das Beispiel des jedermann bekannten Entwicklungsganges der Dampf-maschine mag das Gesagte verdeutlichen: Die Newcomensche Maschine er-forderte noch im weitesten Umfange die Mitwirkung des Menschen. DerArbeiter mufste regelmäfsig mehrere Hähne öffnen und scliliefsen und aufser-dem die Dampfspannung kontrollieren, bis Newcomen das Sicherheitsventilhinzufügte und der Knabe Humphrey Potter, um sich von der geisttötendenBeschäftigung des Bewachens der Hähne zu befreien, die Hebel der Hähnedurch Stricke mit dem Wagebalken der Maschine verband und so die mecha-nische Steuerung herstellte, also an Stelle des Kraftschlusses den Paarschlufssetzte. Unter den Neuerungen Watts finden sich auch mehrere, die den reinautomatischen Gang der Dampfmaschine herbeiführten: Schwungrad, Drossel-klappe, mechanischer Moderator, zu denen noch mechanische Olapparate,

* Sicherungen an Schrauben u. dgl. hinzutreten. Vgl. noch Em. Herrmann,

Wirtschaftliche Ursachen und Fehlerquellen des Denkens inKultur undNatur (1887) S. 184 ff. und für die Entstehung der Dampfmaschine ins-besondere: F. Reuleaux , Kurzgefafste Geschichte der Dampfmaschine.1859. Th. Beck, James Watt und die Erfindung der Dampfmaschine. S. A.aus dem Gewerbeblatt für das Grofsherzogtum Hessen , Jahrgang 1894, dessen(nicht genannte!) Quelle das bekannte Werk von James Patrik Muirheadist: The origin and progress of the mechanical invention of James Watt .

3 Vol. 1854.

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