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Erstes Buch. Die Neubegründuug des Wirtschaftslebens.
mufs. Sie ist es, die das Wort des Weisen: „Du bleibst dochimmer, was Du bist“, was technisches Können anbetrifft, Lügengestraft hat. Denn durch sie werden die Leistungen des Menschenüber das natürliche Ausmafs seiner Organe hinausgehoben. Siereckt den Arm und den Körper zu riesigen Verhältnissen, sieschwellt die Muskeln ins Gigantische und verleiht den Fingernsubtilste Feinfühligkeit, sie trägt den Blick über Tausende vonMeilen und leiht den Füfsen die Schnelligkeit des Windes. Planergesprochen: in qualitativer und vor allem in quantitaver Hinsichtsteigert die Maschine das menschliche Können über das indi-viduell erreichbare Maximum von Vollkommenheithinaus. Auch das feinste Werkzeug, der delikateste Griffel oderMeifsel in der Hand des Arbeiters kann doch nie etwas andereseisten als manuelle Fertigkeit unterstützen: die Arbeitsmaschinedagegen kennt diese Schranken nicht. Sie braucht nicht denKontakt zwischen Auge und Hand mehr, auf dem alle Ver-feinerung manueller Geschicklichkeit beruht: sie kann so feinschneiden, so sicher und regelmäfsig eine Verrichtung wiederholen,so leise klopfen, so fein bohren, wie niemals die menschliche Handes vermöchte, in der das warme Blut des lebendigen Menschenströmt: sie ersetzt eben in vollkommenerer Form die Arbeitdes Arbeiters. Kein noch so kräftiger Schmiedegeselle hebt einenZuschlaghammer, der mehr als 50 Pfund wöge, keine noch so ge-schickte Spinnerin vermag mehr als einen, höchstens zwei Fädenauf einmal mit der Hand zu spinnen: der grofse Dampfhammerim Kruppschen Werke wiegt 50 Tonnen, das sind 1000 Centner,die neuen Spinnmaschinen setzen 2—3000 Spindeln auf einemWagen in Bewegung. Um diese höchsten Leistungen derMaschinerie zu begreifen, mufs man sich folgender Momente be-wufst sein: in jeder menschlichen, formverändernden Arbeitsleistung,so lange sie nicht machinal ausgeführt wird, stecken zwei Bestand-teile: die geistig-manuelle Verrichtung selbst und die dafür aufzu-wendende Kraft, beide zunächst organisch und scheinbar unlöslichverbunden. Nun kann die eine oder die andere dieser beidenFunktionen allein von der Maschine übernommen werden; so dafseine Kraftmaschine dem Arbeiter lediglich den eigenen Kräfte-aufwand ersetzt, er aber selbst alle eigentlichen formveränderndenThätigkeiten nach wie vor ausführen mufs: ein Fall, der selten istund auch nur immer für Teile des gesamten Kraftaufwandesdenkbar ist, da ja auch die einfachste Formveränderung dochimmer noch eines wenn auch noch so leisen Kraftaufwandes be-