Druckschrift 
2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
Seite
54
Einzelbild herunterladen
 

54 Erstes Buch. Die Neubegründnng des Wirtschaftslebens.

hinteren, zu einem Faden auseinandergezogen, während dieser zu-gleich durch die schnell sich drehende Spindel die nötige Zwirnungerhält 1 . Damit war die Kette der machinalen Einrichtungen ge-schlossen und der gesamte Spinnprozefs der Maschine übertragen bis auf die Zuführung der Kraft, die eine Weile noch demMenschen oblag. Die ersten Spinnmaschinen wurden, wie man weifs,mit der Hand gedreht. Nun aber, worauf es ankommt: erst indem Momente, und auch keinen Augenblick früher, wann eine be-stimmte Arbeitsverrichtung in allen ihren Teilen (ausgenommendie Kraftzuführung) dem Bereich der menschlichen Mitwirkungentzogen ist, wird es möglich, das Quantum der in einem auszu-führenden Arbeit beliebig zu vermehren, ohne durch die Enge desindividuellen Arbeitsvermögens beschränkt zu sein. Nun erst nütztdie Vergröfserung der Kraftquelle, die so lange unnütz war, als dieArbeitsverrichtung an irgend einer Stelle die menschliche Hand-thätigkeit passieren mufste. Man kann danach ermessen, welcheBedeutung für die Entwicklung der Maschinerie die vorherige Zer-legung eines Gesamtarbeitsprozesses in möglichst viele Teilver-richtungen hat. Denn offenbar genügt es, um die machinaleThätigkeit zu voller Entfaltung zu bringen, dafs an irgend einerStelle des Arbeitsprozesses eine Vornahme sich so isolieren läfst,dafs sie als Einheit erscheint und als solche der menschlichenHandthätigkeit entrückt wird. Sobald das der Fall ist, kann dieseSpecialvorrichtung beliebig über individuelles Können hinaus be-schleunigt oder ausgeweitet werden. Man denke an die Stepp-maschinen, an die Knopflochmaschinen, die Falz-, Fräs-, Polier- etc.Maschinen in der Schuhwarenindustrie, an die Fädelmaschine inder Stickereiindustrie etc., die alle nur Teilverrichtungen, aberdiese ganz machinal ausführen. Die Arbeitszerlegung hat dieMaschinerie vielfach erst ermöglicht, wie umgekehrt erst dieMaschinentechnik das Princip der Arbeitszerlegung bis in seineäufsersten Konsequenzen treibt.Das Streben geht . . im ganzendahin, die Arbeit, nachdem sie soweit geteilt ist, dafs die

1 Meines Erachtens wird deshalb auch derjenigen Erfindung die eigent-lich epochale Bedeutung zuzuerkennen sein, welche zuerst dieses Walzen-princip für die Fadenbildung nutzbar machte. Es ist die nominell vonL. Paul, thatsächlich wahrscheinlich von Wyatt herrührende, schon imJahre 1738, also lange vor Arkwright patentierte Erfindung. Vgl. Baines,Geschichte der britischen Baumwollenmanufaktur etc. 1836. S. 44 ff. DiesesUrteil teilt übrigens auch Karmarsch , Geschichte der Technologie (1872)S. 596 ff.