82
Erstes Buch. Die Neubegründung des Wirtschaftslebens.
kapitalistische Wirtschaftsleben abspielen müsse. Jedenfalls istihre Wirksamkeit für die Ausbildung des Gesamtcharakters unsererWirtschaftsepoche von geradezu entscheidender Bedeutuug.
Denn machen wir uns klar, dafs in der Wirksamkeit jenerbeiden Tendenzen die Entfaltung einer Erscheinung eingeschlossenist, die wir getrost als das Centralphänomen der wirtschaft-lichen Entwicklung schlechthin bezeichnen können. Ich meinenatürlich das zunehmende Überwiegen der sachlichen über diepersönlichen Produktionsfaktoren im wirtschaftlichen Prozefs; diesich immer mehr ausdehnende Herrschaft der vorgethanen überdie lebendige Arbeit, der Vergangenheit über die Gegenwart. Denndarauf läuft doch am letzten Ende die immer wiederkehrende Er-setzung des umlaufenden durch das fixe Kapital ebenso wie dieVerdichtung des letzteren hinaus, dafs die einzelne Arbeitskraftmit einem immer gröfseren Apparat von Produktionsmitteln aus-gestattet wird, um einen Zuwachs an Leistungsfähigkeit zu er-fahren. In kapitalistischer Betrachtung bedeutet diese Wandlungaber nichts anderes als eine Verschiebung des Verhältnisses zwischenReal- und Personalkapital zu Gunsten des ersten, was bekanntlichMarx schon in ausführlicher Darstellung entwickelt hat (c wächstrascher als v).
Für die Beziehungen zwischen kapitalistischen und vor-kapitalistischen Wirtschaftsformen aber birgt diese Tendenz nochden tieferen Sinn, dafs, weil die erfolgreiche Wirtschaftsführungim wachsenden Mafse der Zuhilfenahme sachlicher Produktions-faktoren bedarf, solche aber in der Mehrzahl der Fälle nur kollek-tiven Arbeitern — also auf beträchtlich erweiterter Stufenleiter —möglich ist, die Verfügung über ein entsprechendes Sachvermögenimmer mehr zur Bedingung selbständiger Produktion wird. Wollteman ein allgemeines Gesetz für das Zurückweichen des Handwerksvor der kapitalistischen Produktionsweise aufstellen, so könnte eskein anderes sein als dieses: dafs in dem Mafse, wie im wirtschaft-lichen Prozefs die lebendige Arbeit im Verhältnis zu den sachlichenProduktionsfaktoren an Bedeutung verliert, das auf dem Grundepersönlicher Arbeitsleistung aufgebaute Handwerk der auf der Vor-herrschaft der Produktionsmittel basierten kapitalistischen Organi-sation weichen mufs.
Ein solches „Gesetz“ ist nun aber in dieser Allgemeinheit einblutleeres Schemen. Es wäre deshalb eine armselige Theorie dergewei'blichen Entwicklung, wollte sie sich mit seiner Formulierungbegnügen. Im folgenden wird erst die reiche Mannigfaltigkeit der