Viertes Kapitel. Der neue Stil des Wirtschaftslebens.
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kausalen Verknüpfungen, aus denen sich der Umgestaltungsprozefsdes modernen Wirtschaftslebens zusammensetzt, vor dem geistigenAuge des Lesers ausgebreitet werden. Nützlich jedoch wird es füruns sein, wenn wir im Verlauf der Darstellung uns der in diesemKapitel aufgedeckten Grundtendenzen des Wirtschaftslebens immerwieder erinnern und sie gleichsam als Orientierungspunkte in dembunten Gewirre der Erscheinungen uns dienen lassen.
Ihre rechte Würdigung erfahren nun aber die hier blofsgelegtenPrincipien der wirtschaftlichen Entwicklung erst, wenn wir sie inihrer Wirkung auf den gesamten Zuschnitt der modernenKultur, auf den „Stil des Lebens“ verfolgen. Das im einzelnenzu thun, ist wiederum späteren Studien Vorbehalten. Hier soll nurin den Grundzügen jener Zusammenhang skizziert werden, soweites nötig ist für das Verständnis des Verlaufs , desjenigen Abschnittsgewerblichen Lebens, den wir zunächst verfolgen.
Was der moderne Kapitalismus, sei es unmittelbar durch Be-einflussung der mit ihm in Berührung kommenden Personen, sei esdurch Vermittlung von Zwischengliedern, die er selbst erst erzeugtund unter denen die Errungenschaften der Technik die vornehmsteStelle einnehmen, an neuen Nuancierungen in das Kulturlebenhineinträgt, läfst sich in einigen Schlagworten vielleicht, wie folgt,zusammenfassen.
Er wirkt vor allem das, was man eine Überwindung derMaterie nennen kann, offensichtlich durch den technischen Fort-schritt, für den er die Triebkräfte erzeugt. Seltsamer Weise hataber, wie jedermann weifs, diese Überwindung der Materie erst ein-mal zu einem Siege des Materiellen geführt. Es ist oft und mitRecht unserer Zeit vorgehalten worden, dafs sie eine vorwiegendsachliche Kultur — auf Kosten der Persönlichkeit — entwickelthabe. Wir werden nach dem, was wir früher erfahren haben,diese Tendenz der Kulturentwicklung durchaus begreiflich finden,weil wir sie als unmittelbaren Ausflufs der wirtschaftlichen Ent-wicklung aufzufassen vermögen. Diese, sahen wir, drängt die per-sönliche Arbeitskraft immer mehr zurück, läfst die vorgethaneArbeit (in den Produktionsmitteln) eine immer entscheidendereRolle spielen, versachlicht also gleichsam den gesamten wirtschaft-lichen Prozefs. Was Wunder, wenn die im Bereiche des Wirt-schaftslebens gewonnenen Anschauungen über dessen Grenzen hinausihre Herrschaft auszudehnen versuchen und allerorts eine Neigungerzeugen, die sachlichen Kulturfaktoren zu überwerten. DieReaktionsbewegung, wie sie vor allem an den Namen Friedrich
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