Viertes Kapitel. Der neue Stil des Wirtschaftslebens.
89
es, dafs die grofsen Herren von der Kaufmannschaft Sevillas ihren Geschäfteneinen noch glänzenderen Aufschwung zu geben gedachten, indem sie selbstdie Kultur der begehrtesten Artikel in die Hand nahmen. Da ihnen enormeKapitalien zur Verfügung standen, bedurfte es nur ihres Wollens, und wievon einem Zauberstabe berührt bedeckte sich das Thal des Guadalquivir bishinauf an die Sierra Morena mit wogenden Getreidefeldern, mit üppigen Obst-und Olgärten und mit Weinbergen, deren Ertrag allein ganze Schiffsladungenfüllte.“ K. Häbler , Die wirtschaftliche Blüte Spaniens im 16. Jahrhundert.1888. S. 35.
In jedem einzelnen Lande lassen sich dann der Kegel nach, wie gezeigtwurde, zwei Epochen der landwirtschaftlichen Entwicklung nachweisen: die-jenige, in der das Land im Verhältnis des Koloniallandes zu anderen Ländernmit vorgeschrittenerem Kapitalismus sich befindet und diejenige, in der derKapitalismus im eigenen Lande den Anreiz für die Industrialisierung derLandwirtschaft bildet. Letztere Epoche bringt meistens erst die entscheidendeWandlung, die Revolutionierung von Grund aus, während in der ersten in derRegel nur eine Wirkung an der Oberfläche erzielt wird. Vor allem fehlt ihr,wie List richtig erkannte, die Stabilisierung.
Einen verhältnismäfsig wie geringen bezw. wenig nachhaltigen Einflufs dieAusfuhrmöglichkeit auf die Hebung der wirtschaftlichen Lage selbst an derSee gelegener Provinzen, z. B in Deutschland während der ersten Hälfte des19. Jahrhunderts, nur auszuüben vermochte, dafür liefert ein treffendes Beispiel0 stpreufsen. Hier war um die Mitte der 1840er Jahre eine solche Stagnationdes Wirtschaftslebens eingetreten, dafs kundige und besonnene Männer geradezuvon einem Notstand sprechen. Vgl. F. W. Schuberts „Statistische Be-urteilung und Vergleichung einiger früherer Zustände mit der Gegenwart fürdie Provinz Preufsen mit besonderer Berücksichtigung des jetzigen Notstandesdieser Provinz“ in der Zeitschrift des Vereins für deutsche Statistik. I (1847)S. 24—39. Schubert erblickt die Ursache des „Notstandes“ in den geringenFort schritten der technischen Kultur und letztere werde wiederum zurück-gehal ten durch den Mangel an Städten als den Mittelpunkten für den Fort-schri tt der intellektuellen und wirtschaftlichen Entwicklung, sowie durch denMangel an guten Verkehrsmitteln. In einer zweiten Abhandlung (10 Jahrespäter), „Statistische Darstellung der fortschreitenden Entwicklung der Land-wirtschaft und des auswärtigen Handelsverkehrs in der Provinz Preufsen inden letzten 10 Jahren“ im: Archiv für Landeskunde der preufsischen MonarchieIV (1856) S. 247—263 kann dann derselbe Verfasser von einem entschiedenenWandel zum Besseren berichten: alles ist in Flufs gekommen, die moderneEntwicklung hat begonnen. Diese Darstellung Schuberts wird als richtigbestätigt durch v. d. Goltz, Die Entwicklung der ostpreufsischen Landwirt-schaft, a. a. 0. S. 810—813.