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näheren Umgebung der Städte verschwunden. Um so mehr, alsauch, abgesehen von dem Anreiz zum Schlagen, den steigendeHolzpreise ausüben, die fortschreitende Intensivierung der Land-wirtschaft eine Zurückdrängung der Waldkultur rentabel erscheinenläfst. In dem Mafse nämlich, wie die Bodenerträge überhauptsteigen, gewährt die Waldrente nicht mehr eine dem allgemeinenStande des Bodenpreises entsprechende Rentabilität auf Böden, dieanderer Nutzung zugänglich sind. Die Folge ist, dafs die Wald-kultur sich auf die absoluten Waldhöden oder an die grundrenten-lose Peripherie des wirtschaftlichen Kulturkreises zurückzieht. Er-möglicht wird diese Verschiebung durch die Verbilligung derTransportkosten infolge verbesserter Verkehrsmittel. Die ange-deutete Entwicklung ist also keine Widerlegung, sondern eineBestätigung für die Richtigkeit der Thünenschen Kreistheorie. Ineiner Zeit der Achsenbeförderung gehört der Wald ebenso sehr indie zweite Zone wie in unserer Zeit vervollkommneter Transport-technik (und Produktionstechnik, denn die Einführung der Dampf-sägerei, zumal der transportabeln, hat in gleicher Richtung mitge-wirkt) an die Peripherie des Wirtschaftsgebiets 1 .
Der Wald ist aber des ferneren auch an jener zweitenKategorie von Vorgängen beteiligt, die ich unter der Bezeichnungeiner Änderung der Produktionsrichtung zusammenfasse: nämlichan dem, was man eine Differenzierung der Produktionund Trennung des Standorts für früher einheitliche Produktions-zweige nennen kann. Das Streben, eine möglichst hohe Rente beiden verbleibenden Waldungen zu erzielen, hat dazu geführt, nurdie dem betreffenden Standorte jeweils entsprechende Kultur zutreiben, beispielsweise in Industriegegenden die gesamten Wald-bestände auf die Lieferung von Grubenhölzern zuzuschneiden u. s. w.
Wo aber ganz deutlich eine Teilung ursprünglich einheitlicherProduktion infolge gestiegener Grundrente eingetreten ist, dasist in der Viehzucht. Die steigenden Fleischpreise haben mehrund mehr bei Schaf, Schwein und Rind, soweit letzteres nicht alsMilchtier genützt wii’d, also eine noch intensivere Verwendungfindet, ihre Züchtung unter den Gesichtspunkt möglichst hoherFleischgewinnung gestellt. Das bedeutet aber produktionstechnischeine Beeinträchtigung der Quantität und Qualität dessen, was mandie Nebenprodukte der Tierzucht nennen kann: das Fleischschafliefert schlechtere Wolle, das englische „Fleischschwein“ viel
1 Vgl. hierzu auch E. Sax, Verkehrsmittel 2, 51/53.