135
in den Wäldern 1 wurde einer der Hauptgesichtspunkte bei An-lage industrieller Unternehmungen, die dadurch naturgemäfs überdas Land zerstreut wurden und die Uberschufsbevölkerung da auf-nehmen konnten, wo sie erwachsen war.
Diese Holz- und Wassernutzung galt in erster Linie der Eisen-industrie, was natürlich die Anwendung des alten Holzkohlenhoch-ofens und Frischverfahrens zur Voraussetzung hat. Da wurden vonden überall verbreiteten Eisenerzgruben und aus den durch dieWälder zerstreuten Köhlerhütten fuhrcnweisc die Rohstoffe zu denromantisch am rauschenden Waldbach gelegenen Eisenhütten ge-fahren, die, wenn vollständig, aus dem „Hochofen“, dem Pochwerkund verschiedenen „Hämmern“, dem Stahlhammer, dem Blecli-hannner, dem Zainhammer, wohl auch einer Giefserei, bestanden.Da war es, wo der Märker Eisen „reckt“: der Meister mit ein paarGesellen, den beiden getreuen „Knechten“ der Ballade.
„Des Wassers und des Feuers KraftVerbündet sieht man hier,
Das Mühlrad, von der Flut gerafft,
Umwälzt sieh für und für;
Die Werke klappern Nacht und Tag,
Im Takte pocht der Hämmer SchlagUnd bildsam von den miicht’gen StreichenMufs selbst das Eisen sich erweichen.“ 2
Aber aufser der Eisenindustrie verdankten • noch zahlreicheandere frühkapitalistische Industrien ihre Entstehung dem Holz-reichtum der Wälder und waren deshalb über das flache Land ver-
1 „Die vorteilhafteste Stellung der Fabriken ist also auf dem plattenLande und nachdem die Umstände es erfordern, unferne der Holzgebirge oderwenigstens nahe an Wässern, auf denen das Holz ohne grofse Kosten herbey-geschafft werden kann.“ Sonnenfels, Grundsätze (1771) 2, 108. „Der Besitzedler Erze im Schofse der eigenen Berge . . . mufste frühzeitig dazu auf-fordern, die Fülle der Wälder und die Kraft der Gefälle für dieVerarbeitung der Metalle nutzbar zu machen.“ Jacobi, Berg-, Hütten- undGewerbewesen des Reg.-Bez. Arnsberg . 1856. S. 23. „Hier und da entledigteman sich seines Holzüberflusses durch gewerbliche Anlagen, als Eisen-hämmer etc.“, wird uns sogar von Pommern berichtet. A. von Lengerke,Schilderungen der baltischen und westfälischen Landwirtschaft. I (1849) S. 186.Dasselbe schreibt von der Veranlassung der sächsischen EisenfabrikationF. G. Wiek, Industrielle Zustände Sachsens. 1840. S. 1 ff.
2 Anschauliche Schilderungen jener alten Eisenwerke linden sieh beiBergius, Neues Policey- und Cameralmagazin Bd. II (1776) S.' 158 ft., insbes.S. 186 f. und bei Wille, Nachricht von den bey Holzminden befindlichenEisenwerken in Beckmanns Beyträgen zur Ökonomie etc. Teil XII.