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aus den Industriecentren Rheinland- Westfalens 1 , dafs ein grofserTeil der Fabrik- und Grubenarbeiter Landwirtschaft trieb, bezw. dafslandwirtschaftliche Tagelöhner und Bauern als Industriearbeiter inihrer freien Zeit thätig sind 2 .
Wie sehr noch der gewerbliche Arbeiter mit einem Fufs inder Landwirtschaft steht, dafür legen auch gewisse Löhnungsver-hältnisse untrügliches Zeugnis ab. Wir finden nämlich noch sowohlDeputatlöhnung, als auch sogar noch Landanweisung an Industrie-arbeiter bis in die Mitte des Jahrhunderts erhalten. Im Hüttenwerkzu Thiergarten (Hohenzollern-Sigmaringen) erhalten die Blechwalz-meister neben ihrem Geldlohn 4 Klafter hartes Holz, 1 /a MorgenAckernutzung und freie Wohnung; ebenso die Vorwalzer, die Schweifs-ofenarbeiter u. a. 3 .
Es kann nun für denjenigen, der die Verhältnisse auch nuroberflächlich kennt, keinem Zweifel unterliegen, dafs alle gewerb-liche Thätigkeit, die als Nebenbeschäftigung für die ländliche Be-völkerung in Frage kam, auf der ganzen Linie in einem stetigenRückgänge befindlich ist, der teilweise schon zu einem völligenVerschwinden geführt hat. Leider vermögen wir nicht in soexakter Weise, wie es wohl wünschenswert wäre, für diese That-sache auch den ziffernmäfsigen Beweis zu erbringen. Immerhingeben einige Zahlen uns genügenden Anhalt, um Rückschlüsse aufdie Gesamtlage zu machen.
Dafs in einigen Gebieten Deutschlands der Rückgang der ge-werblichen Nebenbeschäftigung schon um die Mitte des 19. Jahrhundertsbegonnen hatte, ersehen wir aus den Klagen der zeitgenössischenLittei’atur 4 , wir dürfen es aber auch schliefsen aus der Statistikder ländlichen Weberei, die wir für Preufsen wenigstens bis1861 besitzen. Danach war, während die als Nebenbeschäftigunggehenden Stühle in den östlichen Provinzen des Staats noch bis1861 sich vermehrten, in den westlichen Provinzen und Schlesien
1 Banfield, 1, 51/52, der wiederum eine vorzügliche Skizzierung eines inEngland bereits überwundenen Zustands: der „Association of agriculture witlifactory labour“ giebt.
2 Ähnliches gilt für die Arbeiter in anderen Gebieten des frühkapitalisti-schen Wirtschaftslebens. So z. B. für die Bemannung der Seeschiffe, die indamaliger Zeit fast vollständig aus den bäuerlichen Gebieten der Küsten sichrekrutierte. Vgl. von Reden, Die deutsche Rhederei etc. (in seiner Zeit-schrift Bd. I S. 385 f., insbes. S. 402 ff.) und E. Eitger, Schiffsbau und See-schiffahrt in den letzten Jahren. 1892.
3 von Reden, a. a. 0. S. 638.
4 Vgl. vor allem wiederum Funke, a. a. 0. S. 15 ff.