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bekanntlich kein zweites Land so gründlich ausgekostet hat wieEngland .
Und nun ist es an der Zeit, unser Augenmerk zu richten aufdie Veränderungen, die seit Beginn der modernen erwerbswirt-schaftlichen Verhältnisse in der Landwirtschaft, also etwa seit demAnfang des 18. Jahrhunderts — einer Zeit, die ökonomisch demersten Drittel des 19. Jahrhunderts in Deutschland entspricht —die Eigentums-, Nutzungs- und Arbeits- und damit die Bevölkerungs-verhältnisse auf dem Lande in England erfahren haben.
So umfassend nämlich mufs das Problem für England gestelltwerden, da es eine Eigentümlichkeit dieses Landes ist, dafs es imBegleit des modern - rationellen Landwirtschaftsbetriebes nicht nureine Neugestaltung der Arbeitsverfassung, sondern auch im weiternUmfange eine vollständige Revolutionierung der Eigentums- undNutzungsverhältnisse an Grund und Boden erlebt, die ebenfalls sowichtig für die gewerblich - industrielle Neuordnung ist, dafs wirnicht umhin können, mit einigen Sätzen wenigstens darauf einzu-gehen.
Als Englands Landwirtschaft in die Ara der neuzeitlichen Ent-wicklung eintritt, sagen wir also zu Beginn des 18. Jahr-hunderts, war seine Agrarverfassung etwa folgende:
Ein nicht unbeträchtlicher Teil des Landes befand sich nochin bäuerlichem Besitz und wurde von den Yeomen in ganz der-selben Weise bewirtschaftet, wie wir es von Deutschland her wissen:Dreifelderwirtschaft, Flurzwang, Allmende, Nutzungsrechte liefsenin England ebenso wie bei uns die alte Dorfgemeinschaft in ihrenWirkungen erkennen. Im Gemenge mit dem Bauernland lag dasmeiste Herrenland, soweit es nicht schon in den vorhergehendenJahrhunderten 1 * * * * * zu grofsen, meist als Schafweide genutzten Komplexen
1 Man stellt sich m. A. n. die quantitative Wirkung der enclosures
während des 15. und 16. Jahrhunderts meist viel zu grofs vor und hat
so eine vage Vorstellung, als ob halb England damals in Schafweide verwandelt
wäre. Die Klagen der Harrison und More sind ohne Zweifel tendenziös über-trieben und das Schlagwort aus der Utopia, dafs in einem sonderbaren Lande
die „Schafe die Menschen auffressen“, hat viel Verwirrung angestiftet. Auch dieDarstellung von Marx, Kapital l*, 684, leidet unter erheblicher Unklarheitüber die quantitative Bedeutung jener Vorgänge. Ich habe einmal versucht,mir eine ziffernmäfsige Vorstellung zu verschaffen von den Flächen, die etwa
in Betracht kommen können und zwar mit Hilfe der Zahlen, die wir über dieAusfuhr von Wolle in jener Zeit besitzen. Diese betrug beispielsweiseim letzten Regierungsjahr (37/38) Heinrichs VIII. 4335 7 /io Sack Vj 20 Kloben1 Fell; das macht in Schaffelle umgerechnet (1 Sack = 240 Schaffelle) rund