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Zweites Buch. Die Neugestaltung des Wirtschaftslebens.
zusammengeschlagen war. Dieser Grofsgrundbesitz, der nicht zurSchafzucht diente (in welchem Fall er wohl meist von den Land-lords in eigener Regie bewirtschaftet wurde), war nun entweder anbäuerliche Wirte auf Lebenszeit verpachtet * 1 oder nur an Farmersoder tenants 2 3 zur Nutzung gegen die Verpflichtung einer bestimmtenRentenzahlung überlassen. Ich sage absichtlich nicht verpachtet,weil mit diesem Wort ein zu moderner Begriff verbunden zu werdenpflegt 8 . Die Farmer bewirtschafteten nur einen Teil des Landesselbst. Die Arbeitskräfte, die sie dazu brauchten, bestanden wohlzum gröfsten Teil in kleinen, meist freien, „Stellenbesitzern“, wiewir sagen würden, oder solchen Familien, die es durch Abpachtungeiner kleinen Parzelle vom Gutsareal wurden, den sog. Croftersoder cottagers 4 * * * , daneben aus völlig landlosen kleinen Viehwirten,
1040 000 Schaffelle; der Import hat also eben so viel Schafe, sagen wirrund 1 Million zur Voraussetzung. Vgl. Schanz, Englische Handelspolitik2 (1881), 84. Rechnen wir nun, was sicher eher zu hoch als zu niedrig be-messen ist, die vierfache Anzahl Schafe als Lieferanten der Wolle für die ein-heimische Wollindustrie, so kämen wir auf eine Ziffer von 5 Millionen Schafen.Das wäre rund ein Drittel des Bestandes an Schafen im Königreich Preufsenum die Mitte des 19. Jahrhunderts (1858 = 15 374 717; Jahrbuch 1, 275). Beidieser Schafhaltung gab es im Königreich Preulsen (1858) 8 144 720 Morgenbeständige Weide von insgesamt 93 740 144 Morgen pflanzentragenden Bodensüberhaupt; also stark nach oben abgerundet: die Schafhaltung Preufsens umdie Mitte des 19. Jahrhunderts beansprucht etwa 9 °/ 0 der Gesamtbodenflächeals Weideland. England und Wales ist etwa halb so grofs wie Preufsen; derdritte Teil der Schafhaltung würde also 6 °/ 0 des Landes als Weideerheischen. Rechnen wir nun auch nur die Hälfte dieser Weidefläche auf alte,doch schon vorhandene (Gemeinde-) Weide, so würde etwa 3 °/ 0 der Ge-samtfläche des Ackerlandes bis Ende des 16. Jahrhunderts inWeide umgewandelt worden sein.
1 Diese Pachtungen hiefsen „freeholds“: „a lease for life of forty Shillingsa year value is a freehold“ . . . „a great part of the yeomanry have freeholdsof this kind“. Ad. Smith, Book III. Ch. II.
3 Diese meint wohl Ad. Smith, a. a. O. auch, wo er spricht von „thoseancient english tenants, who are said by Chief Baron Gilbert and Dr. Blackstoneto have been ratherbailliffs of the landlord than farmers properlyso called“.
3 Von der altfränkischen Wirtschaftsweise dieser Pächter-Handwerker
giebt ein anschauliches Bild J. Stewart, B. T. Ch. XVI. Noch zu den Zeiten
des Adam Smith ist der Zustand offenbar der, daß erst vereinzelt derkapitalistische Großpächter (s. u. S. 164 f.) den „Pächter“ alten Schlages verdrängthat. „Even in the present state of Europe—little stock is likely to go from
any other profession to the improvement of land in the way of farming. More
does perhaps in Great Britain than in any other country.“ B. III. Ch. II.
* Hasbach, 86 ff.