222 Zweites Buch. Die Neugestaltung des Wirtschaftslebens.
um aus allen Teilen des Landes und von der ganzen Erde herSurplusprodukte aufzusaugen und damit eine wachsende grofs-städtische Bevölkerung zu ernähren. Zwar wird die Unterhalts-bilanz der modernen Grofsstadt wieder passiver als vielleicht je:aber doch nur deshalb, just wie es bei den passiven Zahlungs-bilanzen der Völker der Fall ist, weil in ihr sich immer mehr derReichtum anhäuft, den der moderne Kapitalismus schafft, sei esder Reichtum, der das Wirthschaftsleben noch mit seinen geheimenFäden lenkt, sei es der Reichtum, der nur zum Verzehr gelangt.
Überblicken wir das, was wir über das Wesen der Städte-bildung in Erfahrung gebracht haben, so ist dieses das Ergebnis:
Es giebt so viele ökonomisch verschiedene Städtetypen, als esArten giebt, das zum Unterhalt der städtischen Bevölkerung not-wendige Überschufsprodukt des Landes heranzuziehen; somit soviele moderne Städtetypen, als der modernen Wirtschafts-verfassung eigentümliche Arten solcher Heranziehung bestehen.
Deren lernten wir im Grunde nur zwei grofse Gruppen kennen:den Austausch der Landeserzeugnisse gegen eigene Industrieprodukte,und die Aneignung von Surplusprodukt ohne Hingabe städtischerGewerbeerzeugnisse. Aber innerhalb der durch diese beiden ver-schiedenen Aneignungsmethoden gebildeten Städtetypen ergiebtsich doch eine grofse Anzahl von Varietäten, deren wichtigste wohlfolgende sind:
1. die industrielle Teilstadt, die Arbeiterstadt, mit starkaktiver Unterhaltsbilanz, weil sie erheblich mehr Wert an Industrie-produkten ausführt, als sie zum Unterhalt ihrer Bevölkerung bedarf:die moderne kleine Mittelstadt;
2. die industrielle Vollstadt, in der ein grofser Teil desin ihr gewonnenen Unternehmerprofits verzehrt wird, deren Unter-haltungsbilanz daher meist gerade ohne Saldo abgeschlossenwird: die moderne grofse Mittelstadt; ihr dem Wesen nach ver-wandt ist:
3. die Handels- und Verkehrsstadt, deren Existenz nurwesentlich auf dem Handelsprofit im weiteren Sinne, d. h. ein-schliefslich des Verdienstes an Transport, Spedition, Lagerung etc.der Güter beruht;
4. die Grofsstadt, die Industrie-, Handels- und Verkehrs-stadt, kapitalistisches Dispositionslager, jedoch vor allem auchKonsumtionsstadt ist und zwar um so mehr wird, je gröfser sieist dank ihrer Funktion als Provinzial-, Landes- oder Reichs-centrale für Kreditgeschäfte und Mehrwertkonzentration. Ihre