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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
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Dritter Abschnitt.

Die Neugestaltung des Bedarfs.

Vorbemerkung.

Es ist in der voraufgehenden Darstellung schon an verschiedenenStellen daraufhingewiesen worden, welche bedeutsame Veränderungendie Gestaltung des Konsums im Verlaufe der modernen Entwicklungerfahren hat, welche Verschiebungen insbesondere in der Bedarfs-gestaltung zu beobachten waren, die von unmittelbar schädigendemEinflufs auf den Bestand des Handwerks gewesen sind. Wir sahen,wie viele Zweige zumal des Lohnwerks mit dem Verfall der altenbäuerlichen Hausgewerbe wie der alten patriarchalischen Arbeits-verfassung zu Grunde gehen müssen: der Lohnmüller, den der fürden Markt arbeitende Bauer oder der in Geld gelohnte ländlicheArbeiter nicht mehr in Nahrung setzt; der Lohngerber, zu dem derBauer nicht mehr seine Häute bringt; der Lohnweber, bei dem dieBauerndirne nicht mehr mit ihrem selbstgesponnenen Garne ein-kehrt, und der Lohnfärber, bei dem sie nicht mehr die selbst-gewebten Stoffe färben kommt. Und mit dem Hausschlachten stirbtauch der Lohnschlächter langsam aus.

Das alles lernten wir verstehen als Erscheinungen des grofsenUmgestaltungsprozesses, den unser Wirtschaftsleben erfährt, also inseiner gesetzmäfsigen Notwendigkeit. Und in denselben grofsenZusammenhang stellten wir andere Momente, die eine nicht geringereBedarfsverschiebung zu Ungunsten des Handwerks bedeuten: ichmeine den Niedergang der kleinen Städte infolge der Umschichtungder Bevölkerung und des Depressionszustandes zumal, in dem sichvielfach die grundrentenüberlastete Landwirtschaft der Gegenwartbefindet. Hier fällt der letzte Konsument als Käufer ebenso aus,wie der verarmende Handwerker für seinen bisherigen Lieferanten