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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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Zweites Buch. Die Neugestaltung des Wirtschaftslebens.

Dreizehntes Kapitel.

Die Ausweitung des Konsums.

Unter einer Ausweitung des Konsums verstehe ich die ab-solute Steigerung der Nachfrage nach Gütern. Diese hatihren Grund in zwei Thatsachen der modernen Entwicklung: demzunehmenden Reichtum einerseits, der abnehmenden Bedeutungder Haus- und Familienwirtschaft andererseits. Der zunehmendeReichtum bewirkt, dafs im ganzen mehr Gebrauchsgüter hergestelltwerden und zum Verzehr gelangen, insonderheit immer gröfsereMassen der Bevölkerung überhaupt erst Konsumenten von Gegen-ständen werden, die nicht der allerdürftigsten Lebensfristungdienen; die abnehmende Bedeutung der hauswirtschaftlichen Eigen-produktion dagegen bringt es mit sich, dafs dies Mehr an Genufs-giitern marktmäfsig vertrieben, also Objekt berufsmäfsiger Pro-duktion wird.

Nichts ist nun aber schwieriger als diese gekennzeichnetenThatsachen ziffernmäfsig zu erfassen: die beiden Zweige der Statistik,die uns hier Aufschlufs zu geben vermögen: die Konsumstatistik(objektive Methode) und die Einkommenstatistik (subjektiveMethode) gehören zu den umstrittensten der gesamten Statistik.Die folgenden Zahlenangaben sollen deshalb auch im wesentlichennur den Sinn einer Illustration haben; die Thatsache selbst, diehier behauptet wird: Zunahme marktmäfsig befriedigten Bedarfs alseiner Gesamterscheinung der neuzeitlichen Entwicklung darf wohlunbestrittene Geltung in Anspruch nehmen.

Die Konsumstatistik, die ihren Ausgangspunkt von denObjekten des Konsums nimmt, krankt zum Überflufs noch an demempfindlichen Nachteile, dafs sie uns gerade bei denjenigen Güternim Stich läfst, über deren Verbrauch wir gerade für unsere Zweckeam ehesten Aufschlufs haben möchten: bei den gewerblichenFertigfabrikaten. Wie sich deren Konsum entwickelt, könnenwir einstweilen nur indirekt schliefsen aus dem Verbrauch derRoh- und Hilfsstoffe.

Für die Bekleidungsindustrie dienen uns als Anhalts-punkte die Ziffern für den Konsum an Wolle und Pflanzenfasern,sowie Farbstoffen, von denen nur die wichtigsten hier Platz finden