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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
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Sechzehntes Kapitel.

Die Vereinheitlichung des Bedarfs und seineUrbanisierung.

An anderer Stelle haben wir beobachtet, dafs der Güterbedarf dieTendenz hat, Zuwachsen. Aber nicht jede Vermehrung des Bedarfsbedeutet eine Vereinheitlichung. Er könnte ja der Menge nachwachsen und sich der Art nach immer mannigfaltiger gestalten.Nicht jeder massenhafte Bedarf ist ein Massenbedarf in demSinne, wie er hier verstanden wird, d. h. ein Bedarf nach gleich-förmigen Gütern. Nur ob in diesem Sinne im Verlauf der modernenEntwicklung ein Massenbedarf entsteht, haben wir hier zu unter-suchen.

Und zwar nur, insoweit unabhängig von der Produktion dieBedarfsgestaltung sich uniformiert, interessiert es uns. Nicht da-gegen sollen hier jene Fälle Berücksichtigung finden, wo der Pro-duzent in seinem Interesse den Käufern einheitliche Gebrauchsgüteraufdrängt. Wenn beispielsweise ein Parkettfabrikant den Geschmackin der Weise beeinflufst, dafs er an Stelle kunstvoller Muster nundie sog. Kapuzinerböden einbürgert, Böden nämlich, die aus dach-ziegelartig schief nebeneinander gelegten, rechtwinkligen schmaleneichenen Brettchen bestehen. Diese Brettchen sind ein Artikel, derwie geschaffen für die Herstellung durch die Maschine ist. Allehaben gleiche Gröfse, und da sie massiv sind, brauchen bei derAuswahl der Bretter keine grofsen Anforderungen an die Qualitätgestellt zu werden h Sondern uns interessiert nur die spontaneUmformung des Bedarfs aus den Kreisen der Konsumenten heraus.

Da könnte man nun daran denken, dafs eine solche Ver-einheitlichung allein schon im Gefolge der Bevölkerungs-

1 Ygl. ü. VIII, 238.

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