Neunzehntes Kapitel.
Der Rückgang des Wanderhandels.
A. Messen und Märkte.
Die marktmäfsige Organisation des Handels — sowohldes Engros- wie des Endetail-Handels — spielte noch um die Mitte des19. Jahrhunderts in Deutschland eine grofse Rolle. Selbst J. G. H off-rn a n n, der gern sein Preufsen in der wirtschaftlichen Entwicklungum einige Jahrzehnte vordatiert, um es nicht allzu rückständiggegenüber den Kulturnationen des Westens erscheinen zu lassen,kann doch höchstens für die „Grofsstädte“ konstatieren, dafs sieden Märkten und Messen entwachsen seien, obwohl „eine tief ge-wurzelte Gewohnheit“ die grofsen Jahrmärkte selbst dort erhält, undmufs im übrigen zugeben, dafs „weiter herab im städtischen Lebensich die Jahrmärkte noch in ihrer alten Bedeutung (erhalten) undin der Region der kleinen Städte . . ihre Wichtigkeit für die Be-lebung des örtlichen Verkehrs sogar noch immerfort zu (nimmt)“ \Andere Schriftsteller jener und sogar noch einer späteren Zeitschildern uns die alte Handelsorganisation noch fast völlig erhalten.„Die Messen und Märkte bestehen noch gerade so wie vor 50 Jahren.Das ganze System bestand bisher darin, dafs jeder Mefswarenhändlerseinen langsamen Turnus durchs ganze Land macht, nach demKalender, so wie sich die Messen und Märkte aneinander reihen.Er besucht also die Stadt A. zur Dreikönigsdult, bleibt daselbst14 Tage, dann zieht er nach der Stadt B und C und sofort undteilt so seine ganze Zeit unter die einzelnen Mefsorte aus 1 2 .“ Hier
1 J. G. Hoff mann, Befugnis S. 377/78.
2 A. von Holzschuher, Die materielle Not der unteren Volksklassenund ihre Ursachen. 1850. S. 86 ff. Eine durch viele klare Einsichten aus-gezeichnete Schrift. Kaufleute und Industrielle, die noch die 1840er Jahremiterleht haben, haben mir die Richtigkeit der Darstellung im Text häufigbestätigt.
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