A. Der alte haiidwerksmäl'sige Detailhandel.
Der sefshafte Detailhandel ist nicht viel lungeren Datumsals der Markthandel oder die Hausiererei. Seit dem 13. Jahrhunderthaben wir Kunde von seiner Existenz und fast auch schon vonseiner Art 1 . Wir wissen bis ins einzelne, was ein „mercier“ im14. Jahrhundert an Waren feil hatte 2 und wie der „Laden“ in denStädten des Mittelalters ausschaute. Denn offenbar handelt es sichin allen Anfängen des Detailhandels um ein noch undifferenziertesWarenlager, einen sog. Kram, in dem ungeschieden noch alles zumVerkauf stand, was überhaupt von einem besonderen Detaillisten-stande vertrieben wurde 3 . Wie wir ihn noch heute in extensivenVerkehrsgebieten antreffen, wo in der „Gemischtwarenhand-lung“ etwa folgende Kostbarkeiten dem Besucher in die Augenfallen, gegebenenfalls auch wohl in die Nase stechen: Kolonialien,Konfekt, Spirituosen , Cigarren , Rauch-, Kau-, Schnupftabak,Schiefertafeln, Papier und andere Schreibutensilien, Stoffe, Näh-utensilien etc., Spaten, Ketten, Sensen, Peitschen, Petroleum, Farben,Heringe, Sirup etc. 4 In intensiveren Verkehrsgebieten, dengröfseren Städten, hatte sich jedoch schon in vor- bezw. früh-
1 Siehe z. B. Martin-Saint-Leon, Histoire des corporations (1897)p. 166 nach dem Livre des metiers tome IX und X.
2 Ygl. z. B. Levasseur, Hist, des classes ouvr. 1, 832.
8 Die Lübecker Bürgerrolle von 1353 erlaubt den Krämern zu verkaufen:Kolonialwaren, Bohstoffe, Manufaktur- und Kurzwaren. Wehr mann, Lüh.Zunftrollen, 272 ff. Ähnliche Zustände in Breslau . W. Borgius, Wand-lungen, S. 44.
4 Vgl. auch z. B. die Liste der Waren, die ein „Dorfkrämer“ im 18. Jahr-hundert führen durfte, etwa hei Herold, Rechte der Handwerker (1841). S. 85.