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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
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Zweites Buch. Die Neugestaltung des Wirtschaftslebens.

kapitalistischer Zeit eine Umgestaltung und Weiterbildung in derWeise vollzogen, dafs die ursprünglich einheitliche Warenhandlungsich in verschiedenen Läden differenzierte, wodurch dasjenige ent-stand, was wir einBranchengeschäft nennen wollen.

Da von diesem Zustande, wie er durch die Existenz derBranchengeschäfte geschaffen war, die moderne Entwicklung ihrenAusgangspunkt nimmt, so sei im folgenden einer kurzen Schilderungdieses Status quo ante Raum gegeben.

Das Gemeinsame aller Branchengeschäfte war, dafs sie denKreis der von ihnen geführten Artikel nach der Herkunft derWaren umschrieben. Für den Vertrieb der Rohstoffe sorgtenzwei Arten von Geschäften, von denen die einen im wesentlichenalles feilboten, was von fern her, insbesondere vom Auslande kam, dieandern das übrige. Jene Auslandswarengeschäfte sind die Material-waren-, Kolonialwaren-, Spezereiwaren- etc. Läden, deren InhaberMaterialisten hiefsen. Ein Blick auf die Liste der Waren, diedenMaterialisten nach den Berliner und Dresdener Taxordnungenvom Jahre 1764 zu führen erlaubt waren *, überzeugt uns von derausschliefslichen Auslandsqualität fast aller gehandelten Artikel:denn auch alle Öle, die meisten Farbstoffe, der Zucker etc. sind jain jener Zeit noch exotischer Provenienz. Die Inlandsrohstoff-geschäfte sind unter dem Namen der Landesprodukten-, Produkten-,Viktualien-, Vorkosthandlungen, der Gräupner, Bäudler etc. nochheute vielfach ihrem ursprünglichen Wesen gemäls gekennzeichnet.

Gewerbliche Erzeugnisse wurden im wesentlichen in vier(bezw. fünf) Arten von Detailgeschäften verhieben:

1. Textilwaren in den sog. Ausschnittgeschäften, Schnitt-warenhandlungen, Manufakturwarenhandlungen, wonoch ohne Unterschied alleEllenwaren gehandelt wurden oder,im Fall weitergehender Differenzierung, in besonderen Tuch-,Baumwollwaren-, Leinwandhandlungen. Was der Käufer bezw. dieKäuferin hier fanden, waren also im wesentlichen die Elemente derKleidung, die dann im Hause oder bei Lohnhandwerkern weiterverarbeitet wurden. Zur Ergänzung diente eine Reihe von Zuthat-geschäften, wie beispielsweise die Zwirnhandlungen, deren es in Breslau (nach dem Adrefsbuch) 1846 noch 28 gab, während die Nadeln imEisenkram, die Besätze beim Posamentierer gekauft werden mufsten.

Die anderen Geschäfte, in denen die gewerblichen Erzeugnissefeilgehalten wurden, waren:

1 Mitgeteilt in Bergius Neuem Policey- und Cameralmagazin 4(1778), 152 f.