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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
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Zwanzigstes Kapitel. Die Neuorganisation d. seßhaften Detailhandels . 381

hervorgehobene Bedarfsausweitung für die Praxis des Warenabsatzesüberhaupt erst nutzbar zu machen.

Worin nach der Meinung eines sein eigenes Versandgeschäftanpreisenden Geschäftsmannes die epochale Bedeutung dieser neuenGeschäftsform begründet ist, mag man aus folgender Reklameersehen 1 :

Warum kauft man von Versandgeschäften?

Weil man der Unannehmlichkeit enthoben ist, aus einem Ladengehen zu müssen, ohne etwas gekauft zu haben, für den Fall, dafsman das gewünschte nicht finden konnte, und weil man der Bered-samkeit von Verkäufern nicht ausgesetzt ist. Man spart Mühe undZeit, die der Besuch eines oder mehrerer Läden erfordern würde.Man ist vorher von den Preisen unterrichtet, wählt zu Hause un-beeinflufst und bekommt die Ware ins Haus getragen.

2. Das Auktionsgeschäft.

Die Auktion d. h. der öffentliche Verkauf beweglicherSachen an den Meistbietenden ist keine dem modernen Lebeneigentümliche Geschäftsform. Trotzdem findet sie hier Erwähnung,weil sich in letzter Zeit das Auktionsgeschäft zu neuen Formenentwickelt hat, in denen es bei der Neuorganisation des Detail-handels eine nicht unbedeutende Rolle zu spielen berufen scheint.

Bisher war die Auktion ein organisches Glied im Wirtschafts-leben nur als Groishandelsauktion. Als solche allerdings ist sie seitdem 17. Jahrhundert für eine Reihe wichtiger Welthandelsartikel(Baumwolle in Liverpool, Wolle in London und Antwerpen , ver-schiedene Kolonialwaren in London, Amsterdam und Rotterdam ,Elfenbein in London, Liverpool und Antwerpen u. a.) 2 zu einergeschätzten und vielfach für unentbehrlich gehaltenen Form desAbsatzes geworden.

Im Detailvertrieb der Waren hatte die Auktion bisher docheine verhältnismäfsig untergeordnete Stellung eingenommen. Siewar im wesentlichen nur als gelegentliche Veranstaltung aufgetreten:sei es im Aufträge des Gerichts- oder des Konkursverwalters(Zwangsversteigerung), sei es als freiwillige Auktion bei Warenohne festen Marktpreis (Kunst- und Bücherauktionen), bei Erbschafts-

1 Lemclte (Friesenhahn), Handbuch der Reklame, 260.

2 Ygl. R. Elirenberg, Art.Auktionen im II. St. 2 2 , 25 f. DieserArtikel behandelt überhaupt nur die Engrosauktionen.