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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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394
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394 Zweites Buch. Die Neugestaltung des Wirtschaftslebens.

derartige Vergröfserung des Unternehmungsspielraums zu gewährenvermag.

Es sind das die Vorteile des sog.Grofsbetriebes, wieman sich ungenau auszudrücken pflegt. Denn es handelt sichkeineswegs immer um eine grol'sbetriebliche Gestaltung, d. h. umdie Zusammenfügung grofser Mengen von Produktionsmitteln undArbeitskräften unter einem einheitlichen Kommando. Es kann jeneAusweitung des Unternehmungsspielraums vielmehr eben so gut imkleinbetrieblichen Rahmen erfolgen und erfolgt in der That oftgenug darin: in Form des sog. Filialen Systems, das ein

Analogon der grofskapitalistischen Handelsorganisation zu der Haus-industrie in der gewerblichen Produktionssphäre bildet 1 . Da ichdem Probleme der Überlegenheit grofskapitalistischer, vulgogrofs-betrieblicher Organisation in den Kapiteln, in denen ich dieTheorie der gewerblichen Konkurrenz abhandele, noch ausführlicheBetrachtung angedeihen lassen werde, so erübrigt hier ein näheresEingehen; denn die Kausalreihen sind in den beiden Sphären desWirtschaftslebens, wie unsere Untersuchung ergeben wird, in derThat in weitem Umfange identisch. Es mag genügen, wenn ichhier für die Beurteilung der Vergröfserungstendenz in ihrer that-sächlichen Gestaltung einige Anhaltspunkte gebe. Leider läfstsich die sich vollziehende Kapitalkonzentration auf direktem Wegenur schwer, richtiger gar nicht ermitteln. Denn die Ausweiseetwa der Steuerbehörde sind viel zu wenig detailliert, um darausbestimmte Schlüsse in der angedeuteten Richtung ziehen zukönnen.

Wenn beispielsweise in einer Stadt wie Breslau das Ein-kommen aus Handel und Gewerbe von 28 816 083 Mark im Steuer-jahre 1892/93 auf 45273020 Mark im Jahre 1900 stieg 2 , also ineinem viel rascheren Tempo, als die Zahl der Gewerbe und Handels-betriebe sich vermehrte, so lassen diese Zahlen zwar den Schlufszu, dafs an dieser Kapitalkonzentration der Detailhandel ent-sprechend beteiligt ist: aber mit Sicherheit läfst sich diese That-sache daraus doch nicht ableiten. Wir sind daher immer nur aufdas Urteilen nach Symptomen angewiesen. Solche Symptome bietenuns beispielsweise die durch den Augenschein wahrnehmbare Aus-

1 Das Filialensystem ist schon heute viel ausgedehnter, als es den An-schein hat, weil sehr häufig die Filiale gar nicht die Firma des Hauptgeschäfts,sondern den eines vorgeschobenen Strohmannes trägt.

2 Statistik der preufs. Einkommensteuerveranlagung für 1892/93 und 1900.